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Exzellenzinitiative So fördern Deutschlands Wettbewerber die Forscher-Elite

Um sehr viel Geld geht es den deutschen Unis in der Exzellenzinitiative. Doch auch andere Forschernationen fördern ihre besten Hochschulen. Das Magazin "duz" zeigt, wie anderswo mit Milliarden aufgerüstet wird. Manche Länder gehen dabei ganz eigene Wege.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nicht nur Deutschland hat mit der

Exzellenzinitiative

ein Mittel in der Hand, Spitzenforschung und Spitzenuniversitäten selektiv mit zusätzlichen Geldern zu fördern. Auch andere Länder verfügen über ähnliche Programme. Denn Wissenschaft ist teuer. "Schon in den 70er- und 80er-Jahren hat die Politik gemerkt, dass sich die Forschungsinfrastruktur eines Landes nicht flächendeckend auf international wettbewerbsfähigem Niveau aufrecht erhalten lässt", begründet Dr. Jochen Gläser vom Zentrum für Technik und Gesellschaft der TU Berlin das Entstehen evaluationsbasierter Förderinstrumente, die zusätzlich Geld in leistungsstarke Spitzenforschung pumpen.

Er hat international drei verschiedene Typen ausgemacht: Forschungsevaluationssysteme, die ein Teil der traditionellen Grundfinanzierung sind, wie etwa die Research Assessment Exercise (RAE) in Großbritannien; Forschungsprämien, die eine zusätzliche Grundfinanzierung darstellen und dauerhaft vergeben werden, wie die an Drittmittel gekoppelte Zusatzfinanzierung in Schweden sowie befristete, zusätzliche Grundfinanzierung sogenannter Ad-hoc-Initiativen, die sich außer in Deutschland in Gestalt der Exzellenzinitiative auch in anderen Ländern, vor allem in Asien, finden lassen.

Zwar findet sich das Prinzip, befristet sehr viel Geld an wenige Universitäten zu verteilen, weltweit noch nicht so häufig. "Die Exzellenzinitiative ist derart komplex, dass es etwas wirklich Vergleichbares eigentlich nicht gibt", sagt Gläser. Insbesondere das Prinzip der dritten Förderlinie, welche die Zukunftskonzepte der Universitäten prämiert, existiere international bisher nicht. " Aber der Vorteil dieses Instruments ist, dass die Politik die Grundfinanzierung nicht antasten muss, Kontrolle über den Zeitraum hat und nicht an Neuverpflichtungen gebunden ist."

Welche Nebenwirkungen haben Milliardenspritzen

Deshalb schauen andere Länder sehr genau, was sich in Deutschland tut und wie hierzulande die Spitzenforschung finanziell ausgestattet wird. In Europa hat Dänemark kürzlich mit Unik eine eigene Exzellenzinitiative ins Leben gerufen Österreich hat ähnliche Pläne schon in der Schublade liegen und könnte demnächst nachziehen. Und Frankreich ist auch gerade dabei, zusätzliche Fördermilliarden in Spitzenforschung zu investieren, wenngleich sich das genaue Verfahren im Moment noch nicht definieren lässt. Und auch die übrige Konkurrenz schläft nicht, sondern hat eigene Systeme, um für Eliteforscher attraktiv zu sein.

Offen bleibt allerdings die Frage, welche Effekte die Milliardenfinanzspritzen tatsächlich auf die Leistungssteigerung der Wissenschaft beziehungsweise auch welche Nebenwirkungen sie haben. "Das wurde noch nie vernünftig untersucht", weiß Gläser. Auch bis Deutschlands Vorzeigeprogramm umfassend evaluiert ist, dürften noch Jahre vergehen. Da ist es vielleicht interessant zu wissen, dass die Niederländer 1979 die ersten waren, die zusätzliche Grundfinanzierung nach Leistungskriterien vergaben. Inzwischen haben sie das System auf Drängen der Universitäten beerdigt.

Beispiel Japan: Basteln an Centers for Excellence

Hafen der Stadt Rausu auf Hokkaido: International sichtbare Forschungszentren

Hafen der Stadt Rausu auf Hokkaido: International sichtbare Forschungszentren

Foto: epa Everett Kennedy Brown/ picture-alliance/ dpa

Das asiatische Hochtechnologieland hat gleich zwei Initiativen zur Förderung von Spitzenforschung.

Ziele: Mit dem "Center of Excellence Programm for the 21st Century" sollen die Universitäten reorganisiert, privatwirtschaftliche Managementmethoden etabliert, die Graduiertenausbildung gefördert und die 30 Top Departments in verschiedenen Forschungsgebieten gekürt werden.

Zahlen und Fakten: In der ersten Phase 2001 bis 2006 wurden umgerechnet rund 225 Millionen Euro bereitgestellt. Eine zweite Phase startete mit neuen Namen 2007 und soll bis 2015 gehen. Derzeit können noch Anträge gestellt werden, über das gesamte Fördervolumen gibt es deshalb noch keine genauen Angaben.

Besonderheiten: Japan startete zudem 2007 ein zweites Programm, das sich selbst mit der deutschen Exzellenzinitiative vergleicht. Es sollen damit international sichtbare Forschungszentren geschaffen und Wissenschaftler aus aller Welt angeworben werden. Dafür wurden allein 2007 rund 26 Millionen Euro und im Jahr 2008 circa 53 Millionen Euro ausgegeben.

Christine Xuan Müller ist duz-Redakteurin

Beispiel Südkorea: Ehrgeizig forschen am Brain Korea 21

Leuchtturm von Palmido Island: Reduzierte Studierendenzahlen, verbesserte Curricula

Leuchtturm von Palmido Island: Reduzierte Studierendenzahlen, verbesserte Curricula

Foto: Incheon Tourism Association

Die südkoreanische Initiative (Kurzform BK21) soll Weltklasse-Universitäten herausbilden.

Ziele: Im Kern geht es um die Verbesserung der Graduiertenausbildung. Dazu wurde vor allem in Stipendien für Auslandsaufenthalte und Forschungsinfrastruktur investiert. Die ausgewählten Unis sollen ihre Forschungsleistungen steigern, Managementprozesse und interne Strukturen reformieren.

Zahlen und Fakten: In der ersten Phase von 1999 bis 2005 wurden umgerechnet rund 2,55 Milliarden Euro investiert. Nur circa 35 Millionen davon flossen direkt in die Forschung. In der zweiten Phase, die von 2006 bis 2012 geht, werden pro Jahr 186 Millionen Euro bereitgestellt.

Besonderheiten: Priorität hat die Doktorandenausbildung gegenüber dem Studium, die durch reduzierte Studierendenzahlen, verbesserte Curricula und die Einstellung von Professoren speziell für die Doktorandenausbildung erreicht werden soll. Die Unis werden jährlich evaluiert und bei unzureichenden Leistungen aus der Förderung wieder ausgeschlossen. Wegen Protesten wurde BK21 modifiziert, so dass statt einer geringen Zahl nun rund 67 Unis von der Initiative profitieren.

Beispiel Großbritannien: Zukunftsprojekt Research Assessment

Leuchtturm auf Lundy Island: Neue Qualitätsindikatoren angesetzt

Leuchtturm auf Lundy Island: Neue Qualitätsindikatoren angesetzt

Foto: ? Suzanne Plunkett / Reuters/ REUTERS

Führende Forschernation setzt auf ein dauerhaftes Evaluations- und Verteilungssystem.

Ziele: Mit der Research Assessment Exercise (RAE) soll durch selektive Finanzierung exzellente Forschung ermöglicht und die Differenzierung der Hochschullandschaft vorangetrieben werden.

Zahlen und Fakten: Die RAE existiert mittlerweile über 20 Jahre. Jährlich werden damit staatliche Fördergelder in Höhe von aktuell fast 1,6 Milliarden Pfund (umgerechnet rund 1,9 Milliarden Euro) vergeben. Etwa alle fünf Jahre gibt es eine neue Evaluationsrunde, nach der das Geld an die Hochschulen verteilt wird. Bis zu 50.000 Wissenschaftler aus 173 Institutionen nehmen an dem Wettbewerb teil.

Besonderheiten: In der RAE wurden bislang die erbrachten Forschungsleistungen von Fachbereichen im Peer Review evaluiert. Seit der Einführung im Jahr 1986 wurde das Verfahren ständig modifiziert. Nun steht eine neue Reform an. Um den bürokratischen Aufwand zu senken, werden neue Qualitätsindikatoren angesetzt. RAE wird durch den Namen Research Assessment Framework ersetzt.

Beispiel Österreich: Alpiner Weg zur Exzellenzinitiative

Leuchtturm bei Podersdorf am Neusiedler See: Neue Forschungs- und Technologiestrategie

Leuchtturm bei Podersdorf am Neusiedler See: Neue Forschungs- und Technologiestrategie

Foto: OBS

Österreich will sich in Sachen Forschungsfinanzierung von Nachbarländern inspirieren lassen.

Ziele: Noch immer nicht umgesetzt, aber in Planung ist die österreichische "Exzellenzinitiative Wissenschaft". Mit ihr sollen die Rahmenbedingungen für wissenschaftliche Exzellenz verbessert und die internationale Wettbewerbsfähigkeit erhöht werden. Unter anderem sollen Exzellenzcluster errichtet werden, die Forschung, Graduiertenausbildung und Transferaktivitäten vereinigen.

Zahlen und Fakten: Für die Förderung sind den Plänen zufolge maximal 10 Millionen Euro pro Jahr und Cluster vorgesehen. Es sollen mindestens fünf bis sechs Cluster jeweils bis zu zwölf Jahre gefördert werden.

Besonderheiten: Der Österreichische Wissenschaftsrat begründete die bisherigen Verzögerungen mit "vorzeitigen Neuwahlen und Budgetproblemen". Ob und wie die geplante Exzellenzinitiative künftig umgesetzt wird, könnte sich in Kürze konkretisieren, wenn die österreichische Bundesregierung ihre neue Forschungs- und Technologiestrategie vorstellt.

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