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Tarifreform-Desaster Mehdorn offenbar auf der Abschussliste

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn zieht Konsequenzen aus dem Desaster, das durch das neue Preissystem entstanden ist. Zwei Bahnvorstände müssen gehen. Auch Bahn-Chef Harmut Mehdorn muss zittern.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Offenbar soll bei der heutigen Sitzung des Aufsichtsrats auch darüber diskutiert werden, ob der Vertrag Mehdorns verlängert wird. Wie der "Deutschlandfunk" berichtet, sprechen sich wichtige Teile des Gremiums gegen den Bahnchef aus.

Mit der sofortigen Entlassung müssen dagegen der für den Personenverkehr verantwortliche Vorstand Christoph Franz und der Marketingvorstand Hans-Gustav Koch rechnen. Die Ablösung der beiden Vorstände sei am Montagabend bei der Präsidiumssitzung des Aufsichtsrats beschlossen worden und werde vom Aufsichtsrat am Dienstag voraussichtlich gebilligt, hieß es aus Aufsichtsratskreisen. Mehdorn habe auch nicht mehr länger an Franz und Koch festhalten wollen.

Es gilt als sicher, dass auch die Leiterin des Preismanagements, Anna Brunotte, damit ihren Posten verliert. Sie hatte das neue Preissystem entworfen.

Offiziell wird das Revirement des Vorstands erst nach der Sitzung des Aufsichtsrats bekannt gegeben. Bis dahin will die Bahn auch keine Stellungnahme dazu abgeben. Ein Sprecher hatte am Montag erklärt, man kommentiere Personalspekulationen grundsätzlich nicht.

Mit der Entlassung der Verantwortlichen soll der Kurswechsel der Bahn aber nicht abgeschlossen sein. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, soll auch das Preissystem grundlegend reformiert werden. Mehdorn werde dem Aufsichtsrat erste Neuerungen vorstellen.

So werde überlegt, den Zwang zu beseitigen, besonders vergünstigte Reisen über ein Wochenende buchen zu müssen. Auch die durchweg als überhöht gerügten Stornogebühren sollen sinken. "Mehdorn hat erkannt, dass nur kosmetische Änderungen an den Preisen nicht mehr reichen", zitiert das Blatt aus Aufsichtsratskreisen.

Die Bahn hatte im ersten Quartal einen Verlust im Fernverkehr von 133 Millionen Euro eingefahren. Auch die Verkehrsleistung und die Passagierzahlen lagen deutlich unter Plan.