Ungeheuerliches Fossil Zweiköpfiges Urzeit-Reptil in China entdeckt
Schildkröten, Echsen und Krokodile mit zwei Köpfen: Das sieht gruselig aus, kommt aber immer wieder einmal vor - wenn auch sehr selten. Ein urzeitliches Fossil aus der Kreidezeit jedoch, das zwei Hälse und zwei Schädel trug? Ungeheuerlich, unvorstellbar - denn bisher war kein solches Exemplar bekannt. Die versteinerten Überreste eines offenbar fehlentwickelten Reptils haben nun Forscher in der kreidezeitlichen Yixian Formation in Nordostchina gefunden. Die Entdeckung gilt als einzigartig, weil es extrem unwahrscheinlich ist, dass eine seltene Missbildung als Fossil erhalten bleibt.
Die Versteinerung zeigt einen langen, geringelten Schwanz, die hinteren Gliedmaßen, die Rückenwirbel, den Brustkorb und die vorderen Gliedmaßen - soweit normal. Auf Höhe des Schultergürtels jedoch verzweigt sich die Wirbelsäule in zwei Hälse mit jeweils einem Schädel darauf.
"Das ist das erste Mal, dass ein versteinertes Wirbeltier mit solch einer Fehlentwicklung bekannt wird", berichten französische und chinesischen Forscher in der Zeitschrift "Biology Letters". Beide Hälse sind gleich groß und nah beieinander in ähnlicher Position gelagert. Das zeige, dass beide zum selben Individuum gehören, schreiben Eric Buffetaut und seine Kollegen.
Bei dem etwa sieben Zentimeter langen Fossil handle es sich entweder um einen Embryo oder aber um ein neugeborenes Reptil aus der frühen Kreidezeit vor 150 Millionen Jahren. Das Tier gehört den Forschern zufolge wahrscheinlich zu einer Echsenart, die im Wasser lebte und ausgewachsen über einen Meter groß wurde. Diese Echsenspezies gehört zur Gruppe der Choristodera, krokodilähnlichen Reptilien aus der Kreidezeit. Das schlussfolgern die Forscher aus einem Vergleich des steinernen Abdrucks mit anderen Fossilien-Funden dieser Echsenart, die im paläontologischen Museum der chinesischen Stadt Shenzhen liegen: Alles stimmt überein - bis auf die zwei Hälse. Ausgehend von der extrem jungen Gestalt hat das zweiköpfige Reptil wohl nicht lange überlebt falls es überhaupt lebendig zur Welt gekommen ist.
Das Exemplar ist den Forschern zufolge ein klarer Fall einer Fehlentwicklung, die als "axiale Verzweigung" bezeichnet wird. Bei dieser teilen sich Zellen der Blastula, einem frühen embryonalen Wachstumsstadium, nur unvollständig. Diese Abnormität tritt bei heutigen Reptilien häufiger auf: Schildkröten, Krokodile, Schlangen und Eidechsen mit zwei Köpfen sind bekannt. Im Sommer wurden in den USA elf zweiköpfige Tiere in einer Ausstellung präsentiert (siehe Video). Anfang des Jahres versteigerte ein Zoo eine Schlange mit zwei Köpfen.Über die Fehlbildungen ausgestorbener Wirbeltiere weiß man bisher allerdings nur wenig - weil es wenig Funde gibt. Die Entdeckung in China gilt deshalb als extrem seltener Glückstreffer.
Die Yixian-Formation ist für fossile Funde bekannt. In den letzten Jahren fanden Forscher dort unter anderem Abdrücke eines gefiederten Dinosauriers und urzeitliche Vögel. Obwohl immer wieder über falsche Funde an der Yixian Formation berichtet wird, sind sich die Forscher diesmal sicher, dass ihr zweihalsiges Reptil kein Plagiat ist: "Der Zustand des Fossils und der umgebenden Masse schließt Fälschungen aus. Die Gesteinsplatte, die das Fossil umgibt, zeigt keine Risse oder Anzeichen von Kleber", schreiben die Paläontologen. "Es gibt keinen Zweifel daran, dass dieses Exemplar echt ist."
ner/AFP