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Ausgezeichnet Forschung, die die Welt nicht braucht

Zehn wissenschaftliche Leistungen, "die nicht wiederholt werden können oder sollten", werden jedes Jahr mit dem Ig Nobelpreis ausgezeichnet. Dieses Mal wurden unter anderem Forscher geehrt, die Schäden an Toiletten nach deren Benutzung untersucht haben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Chemisch gesehen ist romantische Liebe nur eine Irritation des Hormonhaushalts und kaum von einer schweren psychischen Störung zu unterscheiden, fanden italienische Wissenschaftler. Ihre Forschung zum Hormon Serotonin trug ihnen eine besondere Auszeichnung ein: den Ig Nobelpreis für Chemie, einer von zehn Auszeichnungen, die jährlich von einer Jury der Zeitschrift "Annals of Improbable Results" vergeben werden.

Die Vorsilbe "Ig" steht übrigens für "ignoble", also unwürdig, denn geehrt werden seit 1991 Leistungen, die "nicht wiederholt werden können oder sollten". Übergeben werden die Preise in einer reichlich skurrilen Veranstaltung im Sanders Theater der Universität Harvard von echten Nobelpreisträgern

Die Auszeichnung im Bereich Physik ging an ein niederländisch-britisches Forscherteam. Die Wissenschaftler hatten bewiesen, dass ein großer Magnet nicht nur Frösche, sondern auch Sumo-Ringer zum Schweben bringen kann.

Der Preis für Medizin erhielten niederländische Forscher um Willibrord Weijmar Schultz von der Universität Groningen. Das Team hatte sich mit der Erforschung der menschlichen Anatomie beim Sex befasst. Mit Hilfe der Magnet-Resonanzspektroskopie war den Forschern erstmals gelungen, männliche und weibliche Geschlechtsteile im Querschnitt während ihrer intimsten Funktion zu filmen. Die Beteiligten Testpersonen dürften dabei freilich nicht besonders viel Spaß gehabt haben, sie mussten sich für die Studie in eine enge Röhre begeben.

Der Ig-Friedenspreis des Jahres ging an die britische Royal Navy, die aus Gründen der Ökonomie die Kadetten eines ihrer Schulschiffe Munition sparen lies und sie stattdessen aufforderte, bei jedem Schuss laut "bumm" zu rufen. Der Preis für Wirtschaftswissenschaften erhielt Sektenchef San Myung Mun für seinen Beitrag zu Effizienz und Wachstum im Bereich der Hochzeitsindustrie. Mun veranstaltet Massenhochzeiten, sein Rekord ist eine Massensegnung von 36 Millionen Paaren im Jahr 1997.

Chris Nieswander heißt der Gewinner des Preises für Computerwissenschaft. Er hatte das Programm "PawSense" geschrieben, mit dem festgestellt werden kann, ob eine Katze in Abwesenheit des Anwenders über eine Computertastatur gelaufen ist. Außerdem hilft die Software dabei, die "Eingaben" der Katze später auszublenden.

Der Ig Nobelpreis für Psychologie geht an die beiden Forscher David Dunning und Justin Kreuger, sie veröffentlichten eine Studie zum Thema "Wie Schwierigkeiten, die eigene Inkompetenz zu erkennen, zu übersteigertem Selbstgefühl führen können."

Der Biologie-Preis wurde für eine nahrungsmitteltechnisch wichtige Studie verliehen: Er ging an Forscher der kanadischen Dalhousie-Universität für die Untersuchung des unterschiedlichen Nährstoffgehalts südamerikanischer Kaulquappen. Dass diese Studie vielleicht überflüssig ist, beweist die Trägerin des Ig Literaturnobelpreises. Sie hat ein Buch geschrieben, das zeigt, dass manche Menschen gar nicht essen müssen.

Außerdem wurden noch die schottischen Forscher Jonathan Wyatt, Gordon McNaughton und William Tullett geehrt. Sie hatten untersucht, wie drei öffentliche Toiletten in Glasgow unter ihren Benutzern zusammengebrochen waren. Die Studie "The Collapse of Toilets in Glasgow" macht dafür das Gewicht der betreffenden Personen und das Alter der Becken verantwortlich.

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