Geplatzter Zusammenschluss mit BAE EADS gibt Deutschland Schuld am Fusionsflop

Es wäre der größte Deal der Rüstungsindustrie seit langem gewesen - doch er ist gescheitert: EADS und BAE gehen nicht zusammen. Die Fusionspläne würden nicht weiterverfolgt, teilten beide Unternehmen mit. Das Projekt soll vor allem am Widerstand aus Deutschland gescheitert sein.
EADS-Eurofighter "Typhoon": Ende des Traums vom weltgrößten Rüstungsunternehmen

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Foto: dapd

Paris/London - Das Vorhaben stand schon länger unter schlechten Vorzeichen, nun ist es endgültig gescheitert: Der Zusammenschluss von EADS und BAE Systems zu einem neuen Luftfahrt- und Rüstungskonzern ist geplatzt. Die Pläne würden nicht weiterverfolgt, teilten EADS   und BAE   am Mittwoch mit. Beide Unternehmen hätten an die industrielle Logik der Verbindung geglaubt, hieß es. Es sei aber deutlich geworden, dass die Interessen der beteiligten Parteien nicht in Einklang gebracht werden konnten.

"Es ist natürlich schade, dass wir keinen Erfolg hatten, aber ich bin froh, dass wir es versucht haben", schrieb EADS-Chef Tom Enders in der Mitteilung. Er sei zuversichtlich, dass EADS seinen internationalen Wachstumskurs weiter fortsetzen werde. BAE-Chef Ian King erklärte, er sei enttäuscht, dass die Fusion nicht komme.

EADS sieht Deutschland als Hauptverantwortlichen für das Scheitern. "Es war in erster Linie die deutsche Regierung, die das hat scheitern lassen", sagte ein Unternehmenssprecher. Auch die französische Nachrichtenagentur AFP meldete unter Berufung auf informierte Kreise, die Fusion sei primär am Widerstand Deutschlands gescheitert. "Es hat nicht geklappt, weil die Deutschen blockiert haben", zitierte AFP einen Insider. Die beiden Konzerne hätten bis zum Mittwochabend entscheiden müssen, ob sie eine Verlängerung der Frist beantragen, bis zu der sie nach britischen Börsenregeln das Zustandekommen oder Scheitern des Geschäfts bekanntgeben mussten.

Staatssekretär Hintze: Industriepolitisches Interesse bleibt gewahrt

Zuvor schon hatte es in der Politik schwere Bedenken gegen eine Fusion der beiden Konzerne zum weltgrößten Rüstungs- und Raumfahrtkonzern gegeben. Hauptstreitpunkt war der staatliche Einfluss, den sich Deutschland und Frankreich sichern wollten. Beide Länder sind maßgeblich an EADS beteiligt.

Der Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt, Peter Hintze, gilt seit langem als Gegner einer Fusion von EADS und BAE. Nach dem Scheitern des Vorhabens erklärte der CDU-Politiker gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Die Stärke des Unternehmens liegt gerade in der engen deutsch-französischen Kooperation. Damit ist Airbus Weltmarktführer bei den zivilen Flugzeugen geworden und ist stark im Bereich der Weltraumfahrt und der Hubschrauber." Der parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium fügte mit Blick auf den Fortbestand der bisherigen deutsch-französisch-spanischen Kooperation bei EADS hinzu: "Ich glaube, dass in dieser Formation das industriepolitische Interesse Deutschlands an einer starken Wertschöpfungskette von der Forschung über die Entwicklung bis zur industriellen Produktion am besten gewahrt bleibt."

Nach SPIEGEL-Informationen war eine Videokonferenz unter Regierungsvertretern am vergangenen Freitag an den Forderungen Deutschlands gescheitert. Der deutsche Abgesandte verlangte laut EADS-Kreisen überraschend, die Zentrale des neuen Militär- und Flugzeugkonzerns in München anzusiedeln. Das sollen die Vertreter der französischen und britischen Regierung empört abgelehnt haben. Am selben Tag scheiterten auch Verhandlungen zwischen Vertretern von EADS und IG Metall zur Standort- und Beschäftigungssicherung. Auch der größte Aktionär von BAE meldete in einem Schreiben schwere Bedenken gegen die Fusion mit EADS an.

Kritiker in der Bundesregierung sorgten sich, dass Deutschland bei den wichtigen Schlüsseltechnologien im Bereich der Luft- und Raumfahrt abgehängt werden könnte. Dennoch wurde bis zuletzt kein offenes Veto eingelegt - auch weil sich der Streit in der Öffentlichkeit zuletzt auf die Fronten zwischen London und Paris fokussierte.

EADS-Chef Tom Enders hatte schon in der Vergangenheit oft einen zu großen Einfluss der Staaten auf die Standort- und Geschäftspolitik des Konzerns beklagt. Am Sonntag forderte der britische Verteidigungsminister Philip Hammond, Frankreich und Deutschland sollten bei einer Fusion von EADS und BAE ihre Beteiligungen reduzieren. Derzeit werden die staatlichen Interessen an EADS über Industriekonsortien wahrgenommen. Die deutschen Anteile sind beim Autobauer Daimler gebündelt.

mmq/sev/dpa-AFX/Reuters/AFP/dapd
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