Fujifilm X-Pro1 und Olympus E-M5 Luxuskameras in Retrogehäusen

Moderne Bildsensoren in Oldtimer-Verpackung: Fujifilm und Olympus verkaufen neue, teure Kameras im Retrodesign. Die eine sieht aus wie eine Leica-Sucherkamera und lässt sich auch fast so gut bedienen. Die Olympus OM-D verträgt immerhin Spritzwasser - ein Vergleich.

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Man muss den Preis nur ins richtige Verhältnis setzen, dann erscheint Fujifilms Digitalkamera X-Pro1 als ein Schnäppchen: Das kantige Gehäuse des Fotoapparats hat fast dieselben Maße wie die Leica M9, Fujis Drehschalter für die Belichtungszeit ist fast an derselben Stelle wie bei der Leica platziert, der optische Sucher auch. Die X-Pro1 sieht nach Leica aus, kostet aber weniger. Wobei Schnäppchen hier ein relativer Begriff ist: 1600 Euro kostet das Fujifilm-Gehäuse - eine neue Leica M9 kostet 6000 Euro.

Die X-Pro1 sieht nicht nur so aus wie eine Leica-Sucherkamera, das Retrodesign erfüllt auch eine Funktion: Dank der Dreh- und Wippschalter lassen sich Details wie Belichtungszeit und Blendenöffnung schnell manuell einstellen. Man kann die Kamera aber ebenso leicht mit denselben Bedienelementen in eine Teil- oder Vollautomatik schalten.

Drehrad statt Menü-Chaos

Welcher Schalter was einstellt, erschließt sich bei der X-Pro1 ohne Handbuch, wenn man mit grundlegenden Funktionen von Fotoapparaten wie Blende und Verschlusszeit vertraut ist. Das ist bei der Olympus E-M5 anders. Auch dieses Gehäuse (Neupreis knapp 1100 Euro) sieht alten Analogkameras ähnlich, die OM-D E-M5 trägt sogar im Namen einer Erinnerung an die Olympus-Spiegelreflexkamera OM-1 aus den Siebzigern. Doch das deutlich kleinere Gehäuse der neuen Olympus-Digitalkamera ist übersät mit vielen, zum Teil programmierbaren Schaltern und Stellrädern, deren Funktion sich nicht von selbst erschließt. Die Bildschirmmenüs der E-M5 sind zum Teil ähnlich unübersichtlich.

Retroelemente am Gehäuse verschaffen einem Fotoapparat eben nicht automatisch eine durchdachte Bedienung. Beim Sucherbild verhält es sich mit den Design-Zitaten ähnlich: Die Olympus OM-D hat einen Sucher, der an den Höcker mit dem Spiegelapparat der OM-1 erinnert. Aber darin ist bei der Olympus-Kamera nur Digitaltechnik eingebaut - man schaut auf ein kleines Display mit dem Liveview-Bild vom Sensor. Das hilft im Sonnenschein, im Digitalsucher erkennt man etwas, auch wenn auf dem Display an der Rückseite nicht mehr zu erkennen ist.

Die X-Pro1 hingegen kombiniert beim Sucher Analog- und Digitaltechnik: Der hybrid-optische Sucher kombiniert die Vorzüge eines klaren Sucherbilds mit zusätzlich eingeblendeten Informationen zu den gerade gewählten Einstellungen - da hat man das Beste aus zwei Welten. Wer manuell fokussieren will, kann auch ganz einfach über einen Wippschalter am Gehäuse zum Liveview-Bild umschalten.

Unterdurchschnittlicher Autofokus der X-Pro1

In einem Punkt ist die Fujifilm klar der Olympus-Retrokamera unterlegen: Der Autofokus der X-Pro1 ist für den Preis zu langsam und nicht gut genug. Bei Tageslicht gibt es keine Probleme, aber sobald es dämmert oder mehrere beieinander liegende Objekte im Bildausschnitt ähnliche Farben haben, wird der Autofokus unzuverlässig. Das funktioniert bei Sonys Nex-Systemkameras viel besser, obgleich sie dieselbe Technologie nutzen und einen ebenso großen Bildsensor haben wie die X-Pro1.

Ärgerlich ist das, weil die drei bislang verfügbaren Fujifilm-Objektive für die X-Pro1 auch nicht wie etwa Leica-Objektive daraufhin angelegt sind, manuell fokussiert zu werden. Die Fujifilm-Objektive lassen sich zwar von Hand fokussieren, aber die Drehung am Fokussierring wird elektronisch in die Linsenposition übersetzt. Das hat zwei Nachteile: Erstens macht die Bedienung einen schwammigen Eindruck. Man muss lange am Fokussierrad drehen, um Schärfe zu verlagern; besonders unangenehm fällt das beim Makro-Objektiv auf. Der zweite Nachteil dieser Technik: Manuell fokussieren kann man nur, wenn die Kamera eingeschaltet ist. Auch die Einstellung des Objektivs kann man auch nur bei eingeschalteter Kamera ablesen. Man kann - mit einem Adapter - auch Leica-Objektive an der X-Pro1 nutzen, die auf eine manuelle Fokussierung optimiert sind.

Ausstattung: Olympus-Kit-Objektiv meiden

Allerdings fehlt Fujis Kamera-Software eine hilfreiche Funktion fürs schnelle, manuelle Fokussieren: Bei Kameras von Sony und Ricoh gibt es eine besondere Fokussierhilfe für manuelle Objektive, die Software hebt die Konturen scharf gestellter Gegenstände in auffälligen Farben hervor. Bei der X-Pro1 können nur ausgewählte Ausschnitte zwecks Fokussierung auf dem Bildschirm vergrößert werden. Das geht nicht besonders schnell, hilft aber, wenn man genau fokussieren muss.

Die drei Fuji-Objektive (Weitwinkel, Standardbrennweite, Makro) sind allesamt beeindruckend - scharf und detailreich bis an den Bildrand. Besonders gut hat uns das Makro-Objektiv gefallen. Das Kit-Objektiv der Olmypus E-M5 hingegen sollte man nur kaufen, wenn man dringend ein spritzwassergeschütztes Objektiv braucht, denn das ist die herausragende Eigenschaft dieses Zooms. Abgesehen davon ist es groß, die größtmögliche Blendenöffnung fällt mit f/3,5 sehr klein aus, am Bildrand ist bei diesem Objektiv ein deutlicher Qualitätsverlust zu beobachten - mit einer lichtstarken, kompakten Festbrennweite wie dem Panasonic 20 mm f/1,7 dürfte man mehr Freude haben.

Vor allem, weil ein lichtstarkes Objektiv dabei hilft, ein Manko der OM-D auszugleichen: Wenn die Kamera mit höherer Lichtempfindlichkeit aufnimmt, ist ab einem ISO-Wert von 800 Farbrauschen auf den Aufnahmen bemerkbar, Details fallen der Software-Rauschunterdrückung zum Opfer. Das ist bei Kameras mit größeren Sensoren wie der X-Pro1 und Sony Nex-7 besser.

Fazit: Kameras für Nischen

Die Bildqualität der X-Pro1 ist herausragend, die Bedienung ebenso (Autofokus ausgenommen). Ob diese Vorzüge mehr als 2000 Euro wert sind (so viel kostet das Gehäuse mit einem Objektiv), muss jeder Nutzer selbst entscheiden. Bei der Bildqualität sind die Unterschiede zu Sonys erheblich günstigeren Nex-Kameras nicht so groß, als dass der Aufpreis rechtfertigt wäre. Wahrscheinlich ist das ohnehin keine rein rationale Entscheidung: Wer die Bedienung von Sucherkameras mag, aber nicht das nötige Vermögen für Leica-Kameras hat, könnte der X-Pro1 verfallen. Einen Teil der 4500 Euro, die man für das Gehäuse spart, kann man für Leica-Objektive ausgeben - wenn man mit der Fokussierhilfe der X-Pro1 zufrieden ist.

Die Olympus OM-D hingegen ist für Freunde von Retrokameras weniger geeignet - trotz des Designs. Die E-M5 ist eine reine Digitalkamera, die Bildqualität ist für Micro-FourThirds-Kameras überdurchschnittlich, ein gutes Objektiv vorausgesetzt. Die Auswahl ist da für das Micro-FourThirds-Format recht groß, ein Vorteil dieses Standards. Die OM-D ist nicht jedem zu empfehlen - wer ein spritzwassergeschütztes, kompaktes Gehäuse mit Sucher und vielen manuellen Einstellmöglichkeiten sucht, wird wohl die 1000 Euro bezahlen. Wer nur eine kompakte Systemkamera sucht, ist mit einer Kamera wie der Sony Nex-5N erheblich günstiger und besser bedient.

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Kompakte System-Kameras: Olympus E-M5 Fujifilm X-Pro1, Sony Nex-5N

Kamera Olympus E-M5 Fujifilm X-Pro1 Sony Nex-5N
günstigster Preis Gehäuse * 1099 1598,9 539
Maße (Gehäuse) 12,1 x 9 x 4,2 cm 14 x 8,2 x 4,3 cm 11 x 5,9 x 3,8
Volumen (Gehäusemaße), cm³ 457,38 493,64 246,62
Objektiv M.Zuiko digital ED 12-50mm Fujifilm Objektiv XF 35 f/1,4 (53 mm kb-äquivalent) Sigma AF 30mm 2.8 EX DN
Naheinstellgrenze 20 cm 28 cm 30 cm
günstigster Preis Objektiv 339 579 162,9
Gewicht (Gehäuse mit Ojektiv ca. in Gramm) 584 587 345
Auflösung (Megapixel) 16,1 16,3 16,1
Sensorgröße (cm²) 2,25 3,68 3,75
Megapixel pro cm² 7,15 4,43 4,28
Display (Zoll Diagonale) 3 Zoll Touchscreen, 610.000 Pixel 3 Zoll, 1.230.000 Pixel, zusätzlich optischer Hybridsucher 3 Zoll, 921.600 Pixel
Dateiformat RAW/JPG RAW/JPG RAW (Sony)/JPG

* Stand: 7.5.2012

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