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Afghanistan-Einsatz Politiker warnen vor erhöhter Gefahr für Bundeswehr

Eine Frau und zwei Kinder starben durch Schüsse der Bundeswehr - nun fürchten Politiker um die Sicherheit der deutschen Truppen in Afghanistan. Sie warnen: Mit dem Helfer-Image der Soldaten könnte es bald vorbei sein. Von einem Abzug aber wollen Union und SPD nichts wissen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Nach dem tödlichen Zwischenfall an einem deutsch- afghanischen Kontrollpunkt bei Kunduz mit drei erschossenen Zivilisten sehen Verteidigungspolitiker die Bundeswehr am Hindukusch in erhöhter Gefahr. "Die Auseinandersetzungen werden noch intensiver werden", sagte der SPD-Verteidigungsexperte Walter Kolbow der "Welt am Sonntag". Bisher habe die Truppe in Afghanistan eher den Ruf von Helfern gehabt. "Jetzt hat uns auch die 'Täterrolle' erreicht."

Die Folgen des "bedauerlichen Unfalls" seien dramatisch: "Denn jetzt kann die Wahrnehmung der Bundeswehr als Besatzertruppe wieder in den Vordergrund rücken." Gleichwohl gebe es keinen Grund, am Afghanistan-Einsatz der Deutschen zu zweifeln.

Der Obmann der Grünen im Verteidigungsausschuss, Winfried Nachtwei, sagte dem Blatt: "Es droht jetzt eine Eskalation der Wahrnehmung: Bundeswehr und Bevölkerung dürfen nicht immer mehr Angst voreinander bekommen." Dann steige die Nervosität auf beiden Seiten und damit auch die Gefahr neuer Unglücke.

Der stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Eckart von Klaeden (CDU), wandte sich gegen Forderungen nach einem Abzug der Bundeswehr. "Ich finde es geschmacklos, wie jetzt die zivilen Opfer von der Linkspartei und Herrn Ströbele instrumentalisiert werden, um Stimmung zu machen gegen einen Einsatz, der dem Schutz der afghanischen Zivilbevölkerung und unserer eigenen Sicherheit dient", sagte er der Zeitung.

Unterdessen hat die Bundeswehr die Leiche des bei einem Sprengstoffanschlag am vergangenen Mittwoch in Afghanistan umgekommenen deutschen Soldaten nach Deutschland gebracht. Sie traf am Samstagabend um 19.50 Uhr mit einem Airbus der Luftwaffe auf dem Flughafen Köln-Wahn ein. "In würdiger Form nahmen seine Angehörigen und eine Abordnung des Fallschirm-Jägerbataillons 263 den toten Soldaten in Empfang", hieß es in einer Mitteilung.

itz/ddp/dpa