

Wandern: Imagewandel des Bergsports
Tourismus-Studie Deutsche sind Wanderfans
Berlin - Selbst die Aussicht auf Blasen am Fuß hält die meisten Menschen nicht vom Bergsport ab: Über die Hälfte aller Deutschen geht gerne Wandern, 15 Prozent davon sogar regelmäßig. Das ergab eine am Dienstag in Berlin vorgestellte Studie des Deutschen Wanderverbandes.
Die Leute lassen sich ihre Freizeitaktivität laut der Befragung für die "Grundlagenuntersuchung Freizeit- und Urlaubsmarkt Wandern" jährlich rund elf Milliarden Euro kosten: In ihre Ausrüstung investieren sie pro Jahr über 3,5 Milliarden Euro, rund sechs Milliarden Euro werden von Tagestouristen und 1,7 Milliarden Euro von übernachtenden Wanderern ausgegeben.
Ein erfreulicher Trend sei, dass Deutsche vermehrt in der Heimat auf Tour gingen, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Peter Hintze. "Das Wandern nimmt eine wichtige Rolle in der Tourismuswirtschaft ein." Über 300.000 Kilometer Wanderwege sind in Deutschland für Besucher ausgewiesen.
Naturerlebnis und Gesundheitssport
Drei von vier aktiven Bergsportlern schnüren sich ihre Schuhe vor allem für kurze Ausflüge. Jährlich würden in Deutschland 370 Millionen Tageswanderungen unternommen, sagte Heinz-Dieter Quack vom Europäischen Tourismus Institut (ETI), das vom Wanderband mit der Studie beauftragt worden war.
Fast drei Viertel der Wanderer sind zwischen 45 und 54 Jahre alt. Bei gut der Hälfte der 16 bis 24 Jährigen steht die Bewegung an der frischen Luft hoch im Kurs. Sie wollen "die Natur erleben", "sich bewegen" und "etwas für die Gesundheit tun". Fast alle reisen allerdings im Auto an. Religiöse Beweggründe haben trotz des Trends zum Pilgern nur eine geringe Bedeutung.
Die meisten Touren unternehmen die Bewohner von Nordrhein-Westfalen und Bayern. Wer in Schleswig-Holstein wohnt, hat laut der Studie weniger Lust auf Wanderungen.
Wander-Muffel bleiben vor allem aus gesundheitlichen Gründen zu Hause. Bei ihnen handele es sich vor allem um ältere Menschen, sagte die Geschäftsführerin des deutschen Wanderverbandes, Ute Dicks. Denn mit dem Bergsport werde oft alpines Gelände verbunden.
Imagewandel des Wanderns
"Erhebliches Potenzial" stecke deshalb in Angeboten, die kürzere und weniger anspruchsvollere Strecken beinhalteten, sagte Dicks. Laut Quack wird der Markt für Wandertourismus wegen der immer älter werdenden Bevölkerung in den kommenden Jahren deutlich anwachsen. "Wegen der demografischen Entwicklung steigt die Zahl der wanderaffinen Gruppen bis 2040 an", sagte er. Aber auch für junge Leute müsse der Wandertourismus attraktiver gestaltet werden, etwa durch eine erhöhte Erlebnisorientierung.
Der moderne Wanderer pflegt einen eher offenen Lebensstil, althergebrachte Traditionen sind ihm nicht wichtig. Der Deutsche Wanderverband wertete die Ergebnisse des Forschungsberichts als Beleg für einen Imagewandel des Wanderns in den vergangenen Jahren.
Die Grundlagenuntersuchung ist nach Angaben der Verfasser die erste nationale Studie dieser Art. Befragt wurden laut ETI 3000 Bürger zu ihrem Freizeitverhalten. Weitere 4500 Menschen wurden auf Wanderwegen interviewt.
Wandern bezeichnet laut Studie ein mindestens einstündiges Gehen in der Landschaft, dem eine gewisse Vorbereitung vorausgeht. Ein weiteres Kriterium ist den Angaben zufolge die Definition als Freizeitaktivität und das Verwenden einer entsprechenden Ausrüstung.