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Englische Schule Ex-Soldaten wecken schwänzende Schüler

Militanter Morgenappell für englische Schulschwänzer: In Portsmouth sorgen ehemalige Navy-Soldaten dafür, dass Schüler morgens zum Unterricht kommen - zur Not per martialischem Auftritt direkt am Bett.
Einsatz der Royal Navy (Archiv): Früher Soldat, heute Weck-Patrouille

Einsatz der Royal Navy (Archiv): Früher Soldat, heute Weck-Patrouille

Foto: © Reuters Photographer / Reuter/ REUTERS
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein bisschen rabiat, findet Dame Sharon Hollows, dürfe man schon sein, wenn es um Bildungschancen für Schüler geht. So direkt würde Hollows, couragierte Schulleiterin der Charter Academy in Portsmouth , das allerdings nicht formulieren. Bei ihr klingt es deutlich nobler, wenn sie sagt: "Wir sorgen dafür, dass es einfacher ist, in die Schule zu gehen als nicht zum Unterricht zu kommen."

Um dieses Ziel zu erreichen, setzt die Schulleiterin ganz besonderes Personal in Marsch: Ehemalige Soldaten der Royal Navy und frühere Polizisten wurden für die Suche nach schwänzenden Schülern engagiert, berichtet der "Daily Telegraph" . Die Schulschwänzer-Jäger fahren in einem neutralen Minibus vor, damit sie beim Blick aus dem Fenster nicht erkannt werden.

"Wir werden zu richtigen Nervensägen"

"Wir hämmern dann gegen die Wohnungstür, folgen den Leuten auch in die Wohnung - und wenn wir klingeln und niemand antwortet, dann werden wir zu richtigen Nervensägen, bis die Schüler zur Schule kommen", berichtet Sharon Hollows. Mit Unterstützung der Eltern ist selbst das Schlafzimmer der Schüler kein Tabu: "Wir gehen da rein und fordern sie auf, sich jetzt sofort anzuziehen und mit zur Schule zu kommen."

200 Britische Pfund an Leasing-Gebühren pro Monat kostet der Wagen dem Bericht zufolge - und das sei eine richtig gute Investition, sagt die Schulleiterin. Seit 2009 steht sie an der Spitze der Charter Academy, und seit der Einführung der Weckpersonal-Patrouillen sei die Quote der Schwänzer deutlich zurückgegangen: Am Anfang wurden täglich noch 20 Schüler eingesammelt, mittlerweile sind es nur noch durchschnittlich fünf Schwänzer an jedem Morgen. Damit sie später am Tag nicht wieder abhauen, gebe es nur einen einzigen, bewachten Eingang zur Schule.

Etliche andere Schulen, sagt Hollows, würden ähnliche Methoden anwenden. Nach ihren Erfahrungen sind es vor allem Schüler aus weißen Unterschichtfamilien, die morgens Probleme haben, aus dem Bett zu kommen - und deren Eltern es nicht schaffen, die Kinder entsprechend zu erziehen. Die Schulleiterin verweist deshalb auf das Motto der Academy: "Arbeite hart, sei freundlich - und keine Entschuldigungen". Ein Anspruch, der sich positiv auf die Schulleistungen auswirkt: Seit Sharon Hollows die Charter Academy vor sechs Jahren übernommen hat, sind die Abschlussnoten der Schüler kontinuierlich besser geworden.

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him