

Vom Motor bis zur Startnummer: Das ist alles neu in der Formel 1
Neue F-1-Saison Formel Umbruch
Stellen Sie sich vor, Sie sind auf der Autobahn unterwegs und treten das Gaspedal voll durch, bis zum Anschlag - doch der Motor fährt trotzdem nur mit halber Kraft. Ein Computer im Fahrzeug hat berechnet, dass der Tank bei Vollgas leer wäre, bevor Sie die nächste Tankstelle erreicht haben, und drosselt deswegen den Motor automatisch.
Hört sich nach dem Auto der Zukunft an, ist in der Formel 1 aber seit diesem Jahr Realität. In der Königsklasse des Motorsports gibt es einschneidende Änderungen, eine davon betrifft die Spritmenge. In jedem Rennen müssen die Boliden nun mit 135 Litern Benzin auskommen, vergangene Saison waren es noch 200 Liter.
Wer immer Vollgas fährt, wird in keinem der 19 Rennen die Zielflagge sehen. Siegchancen haben nur diejenigen Piloten, die vom Spritverbrauch her besonders effizient fahren. Sie haben viel von ihrem Einfluss im Cockpit an den Computer verloren, denn dieser berechnet, an welcher Stelle welche Geschwindigkeit gefahren werden kann, um bei der zur Verfügung stehenden Spritmenge die bestmögliche Rundenzeit zu erzielen. Oder anders formuliert: Der Computer bestimmt am Ende, wie schnell ein Pilot fahren darf. Und es gibt noch viel mehr Änderungen in diesem Jahr.


Formel-1-Fahrer 2014: Fünf Weltmeister, drei Neue und "Disco Dan"
Motor
Ein 1,6-Liter-Turbomotor mit sechs Zylindern, Direkteinspritzung und zwei Elektromotoren ersetzt den Saugmotor mit acht Zylindern und 2,4 Litern. Die beiden Elektromotoren speisen sich aus der Wärmeenergie des Abgasstrahls sowie kinetischer Energie des Bremsvorgangs. Während 33,3 Sekunden pro Runde liefern diese neuen Systeme 163 Zusatz-PS. Bei maximaler Power haben die Motoren dann etwa 850 PS.
Pro Saison darf ein Fahrer nur fünf Motoren einsetzen, bisher waren es acht. Ab dem sechsten Motor muss er aus der Boxengasse starten. Werden nur Einzelteile (zum Beispiel der Turbolader) ausgetauscht, gibt es eine Strafe von zehn Startplätzen im Rennen. Mit dem Austausch jeder weiteren Komponente verliert er nochmal fünf Startplätze. Das überträgt sich auf die nächsten Rennen, wenn ein Fahrer nicht weiter als auf Platz 22 zurückgestuft werden kann.
Getriebe
In dieser Saison hat das Getriebe acht Gänge, einen mehr als in den Vorjahren. Jedes Team muss mit vier Getrieben pro Saison auskommen. Jedes Getriebe mehr führt zum Verlust von fünf Startplätzen. Der achte Gang wird aber wohl nur auf dem Hochgeschwindigkeitskurs von Monza verwendet. Alle anderen Kurse sind von ihrer Streckenführung her nicht dafür geeignet.
Aerodynamik
Die Fahrzeugnase darf nur noch 18,5 statt bisher 55 Zentimeter über dem Boden schweben. Sie fällt deshalb abrupt ab und ist schmal gehalten, um eine bessere Luftströmung zu erreichen. Zudem wurde der Frontspoiler schmaler. Statt bisher 1,80 Meter darf er nur noch 1,65 Meter breit sein.
Auch im hinteren Bereich gibt es Veränderungen. Statt zweier Endrohre hinter den Seitenkästen gibt es nur noch eine zentrale Auspuffmündung. Auch das untere Heckflügel-Element, der sogenannte Beam-Wing, fällt weg. Die Techniker können jetzt nicht mehr die Abgase gezielt auf das Heck des Autos lenken, um so den Abtrieb zu erhöhen. Insgesamt rechnet man mit bis zu 20 Prozent weniger Abtrieb, was bis zu eine Sekunde langsamere Rundenzeiten bedeuten kann.
Startnummern
Vor dieser Saison durften sich die Fahrer ihre Startnummern frei wählen. Die behalten sie dann bis zum Ende ihrer Formel-1-Karrieren. Adrian Sutil etwa tritt deshalb mit der 99 an, Lewis Hamilton mit der 44. Einzige Ausnahme: Der amtierende Weltmeister muss mit der 1 fahren. Sollte Sebastian Vettel entthront werden, hätte er die 5.
Strecken
Indien und Korea wurden gestrichen. Dafür sind Spielberg (Österreich, 22. Juni) und Sotschi (Russland, 12. Oktober) neu dabei. Für 2014 war eigentlich auch das spektakuläre Rennen in New Jersey vor der Skyline von Manhattan geplant, doch es wurde wegen finanzieller Probleme abgesagt. Ob es 2015 ausgetragen wird, ist offen.
Strafen
Es gibt nun Strafpunkte für bestimmte Vergehen. Diese werden in einem Jahr zusammengerechnet, ähnlich wie bei der Verkehrssünderkartei in Flensburg. Kommt ein Fahrer auf zwölf Punkte, muss er ein Rennen pausieren. Eine Verwarnung, beispielsweise wegen des Überfahrens einer durchgezogenen Linie, hat einen Punkt zur Folge. Eine Durchfahrtsstrafe zieht zwei Punkte nach sich. Wird ein Pilot beim Qualifying von einem Gegner extrem behindert, muss der Übeltäter nicht nur fünf Plätze in der Startaufstellung nach hinten, sondern bekommt auch drei Punkte. Eine Rückstufung von zehn Startplätzen (zum Beispiel als Schuldiger einer Kollision) bedeutet fünf Strafpunkte. Zudem können die Rennkommissare 2014 schon für kleinere Vergehen wie Verlassen der Fahrlinie Fünf-Sekunden-Strafen aussprechen.
WM-Punkte
Wie in den vergangenen Jahren bekommen die zehn besten Fahrer des Rennens Punkte, der Sieger erhält 25. Neu ist, dass es beim letzten der 19 Rennen in Abu Dhabi die doppelte Punktzahl gibt. Der Sieger erhält dann 50 Zähler, der Zweite 36 statt 18, und für Platz zehn gibt es anstatt eines Punktes dann zwei Zähler.