Deutsche Olympia-Bewerbung Hauptstadt oder Hansestadt - wer liegt vorn?

Welche Stadt soll sich für Deutschland um die Olympischen Spiele bewerben: Berlin oder Hamburg? Die Entscheidung wird schon bald fallen, und auch wenn sie das in der Hansestadt anders sehen - das Rennen ist noch offen.

Olympia-Modell in Hamburg: Mosaiksteine für eine Bewerbung
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Olympia-Modell in Hamburg: Mosaiksteine für eine Bewerbung

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Wer liegt derzeit vorn? Hamburg hat über Wochen an führender Position gelegen, und diese Situation hat sich durch die Forsa-Umfrage nicht verändert. Dadurch, dass der Rückstand der Berliner (55 gegen 64 Prozent) allerdings nicht so groß ausgefallen ist, wie dies viele erwartet hatten, ist eine Vorentscheidung noch nicht gefallen - auch wenn die Hamburger selbst das anders sehen. Berlin hat aufgeholt.

Wie geht das Verfahren weiter? Am Wochenende trifft sich der Vorstand des Deutschen Olympischen Sportbundes DOSB mit den Spitzenverbänden, am Montag dann kommt man in ähnlicher Runde mit Vertretern aus der Politik zusammen. Danach soll die Empfehlung des DOSB öffentlich verkündet werden. Der offizielle Beschluss auf der DOSB-Mitgliederversammlung in Frankfurt am 21. März ist dann nur noch Krönungsmesse für den empfohlenen Bewerber. Die Vertreter der unterlegenen Stadt reisen zu dieser Versammlung dann schon gar nicht mehr an.

Welche Bedeutung hat das Umfrageergebnis? DOSB-Chef Alfons Hörmann hat im Vorfeld mehrfach betont, die Umfrage spiele eine "sehr, sehr, sehr große Rolle". Im Präsidium sehen das einige seiner Kollegen mittlerweile jedoch skeptischer. Dass man eine Entscheidung von solcher Tragweite vom Telefonvotum von je 1500 durch Forsa befragten Bürgern abhängig macht, ist im DOSB in den vergangenen Wochen zunehmend auf Unwohlsein gestoßen. Mittlerweile wird gerne betont, die Umfrage sei nur eines von zehn Kriterien, nach denen man letztlich entscheide.

Was spricht für Hamburg? Die Olympia-Begeisterung, sofern man überhaupt davon sprechen kann, ist in Hamburg zweifellos größer. Es gibt in der Landespolitik zudem eine breite Übereinkunft, die Spiele in die Stadt holen zu wollen. Auch wenn das Berliner Motto lautet: "Wir wollen die Spiele" - Hamburg hat diesen Slogan bisher erheblich glaubwürdiger verkörpert.

Was spricht gegen Hamburg? Dass es Hamburg ist. Die Stadt hat international nicht den Ruf der Hauptstadt, ist auch beim IOC sicherlich weniger präsent als Berlin. Die desaströsen Erfahrungen mit der Olympia-Bewerbung von Leipzig für die Spiele 2012 haben gezeigt, dass es beim IOC Städte, die nicht zu den internationalen Metropolen zählen, eher schwer haben.

Zudem müssen die meisten der notwendigen Sportstätten in der Stadt erst noch gebaut werden, auch hier ist man im Nachteil. Hamburg ist bisher nicht als Austragungsort großer sportlicher Events hervorgetreten.

Was sind Berlins Stärken? Dass es Berlin ist. In die Reihung der aktuellen Olympiastädte von 2012 bis 2020 London, Rio, Tokio würde die Stadt gut hineinpassen. Die Hotelkapazitäten in der Stadt sind jetzt schon so, wie es das IOC von einer Bewerberstadt verlangt. Zahlreiche Sportstätten, allen voran das Olympiastadion, sind bereits vorhanden. Berlin kennt sich aus mit Großereignissen: So findet hier demnächst das Finale der Champions League statt.

Was sind Berlins Schwächen? Euphorie ist in Berlin generell nur schwer zu entfachen, für Olympia galt dies bisher umso mehr. Die Stadt hat bislang nicht den Beweis erbracht, dass die Olympia-Idee nur ansatzweise mobilisiert. Ihre Bewerbungskampagne ist blass geblieben. Die Erfahrungen mit dem Bau-Debakel des Flughafens Schönefeld nähren bei manchem im DOSB darüber hinaus Zweifel, ob die Berliner Politik wirklich in der Lage ist, sich auf solch ein Mega-Ereignis adäquat einzustellen.

Wie denkt der DOSB? Das Präsidium dürfte in seinem Meinungsbild noch relativ gespalten sein. Auf der einen Seite hätte Berlin beim IOC zweifellos bessere Karten, auf der anderen Seite ist hier das Risiko, dass die Bewerbung im September bei einem Bürgerentscheid kippen würde, wohl größer als in Hamburg. Und diese Blamage wollen sich Hörmann und Co in keinem Fall erlauben: Das ablehnende Votum der Münchner zu den Winterspielen 2022 hat beim DOSB eine traumatische Wirkung hinterlassen.



insgesamt 67 Beiträge
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ClausWunderlich 12.03.2015
1.
Keine! Das wird alles nur wieder viel Geld kosten wovon am Ende keiner was hat außer das die Bürger an anderer Stelle dafür verzichten müssen. Ich will keine Olympischen Spiele mehr in Deutschland!
kraijjj 12.03.2015
2. Als Berliner
bete ich dafür, das Hamburg die Spiele bekommt. Und das nicht nur weil es fast immer ein Minusgeschäft für den Austragungsort zu sein scheint. Berlin hat einfach keine Kohle – dafür aber marode Schulen, marode Straßen und kaum von der Stadt geförderter Wohnungsbau und und und.
daniel79 12.03.2015
3.
Mit welcher Frechheit erdreistet sich Berlin überhaupt nur daran zu denken, ein solches Großereignis auszurichten? Angesichts der Lage am BER ist das Hohn und Witz gegenüber dem Steuerzahler, der teilweise zwei Jobs braucht um über die Runden zu kommen, während hier Millionen und Milliarden von stümperhaften Politikern kackdreist verpulvert werden. Und dann kann man sie noch nichteinmal zur Rechenschaft ziehen!?
trick66 12.03.2015
4. Egal wer's wird...
...hoffentlich fällt der deutsche Bewerber beim IOC durch. Nach den Erfahrungen mit BER, Elbphilharmonie und S21 muss man konstatieren, dass Deutschland für solche Veranstaltungen nicht geeignet ist.
vox veritas 12.03.2015
5. Moment mal?
Beide Städte sind in etwa gleich qualifiziert, die Spiele auszutragen. Immerhin haben beide sehr erfolgreich Großprojekte begonnen und abgeschlossen.
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