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Feierliche Bestattung: Neuer Sarg für Königin Editha

Foto: Peter Endig/ dpa

Gemahlin von Otto dem Großen Königin Editha im Magdeburger Dom bestattet

Feierliche Wiederbeisetzung mehr als tausend Jahre nach dem Tod: In Magdeburg ist Königin Editha bestattet worden, die Gemahlin von Otto dem Großen. Forscher hatten zuvor in einem aufwendigen Indizienbeweis die Gebeine der mittelalterlichen Herrschergattin identifiziert.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Magdeburg - Mehrere hundert Menschen waren zu der feierlichen Zeremonie in den Dom von Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt gekommen. Es ging darum, die Heimkehr einer berühmten Toten zu feiern: Königin Editha, erste Gemahlin von Otto dem Großen, ist am Freitag endgültig in Magdeburg bestattet worden. Die Wiederbeisetzung ihrer vor knapp zwei Jahren überraschend gefundenen Gebeine wurde mit einem ökumenischen Festakt gefeiert.

Im Anschluss an die Zeremonie blieb der Titansarg noch längere Zeit stehen, damit Interessierte noch einen Blick auf die sechseckige Kapsel werfen konnten. Sie war angefertigt worden, weil Edithas ursprünglicher Sarg wegen seines Zustands nicht mehr verwendet werden konnte.

Die englische Königstochter Editha war im Alter von 19 Jahren nach Magdeburg gekommen, um König Otto den Großen zu heiraten. Von ihm erhielt sie die Stadt als Morgengabe. Die sterblichen Überreste der Herrschergattin waren Ende 2008 bei Ausgrabungen im Dom gefunden worden. Monatelang hatten Forscher in Deutschland und England ein Gemisch aus Knochen, Zähnen, Stoff und Zement analysiert. Eine einzige Frage bewegte die Experten: Enthält der gefundene Bleisarg tatsächlich die Gebeine von Königin Editha, die von 910 bis 946 lebte?

Im Sommer dieses Jahres gelang dann der spektakuläre Indizienbeweis: Bei dem Skelett handelt es sich mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" um die Überreste der aus England stammenden Prinzessin.

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Editha-Sarg: Auf den Spuren der Herrscherin

Foto: Eckehard Schulz/ AP

"Mehr als 30 Wissenschaftler haben einen Indizienprozess geführt", erklärte Sachsen-Anhalts Landesarchäologe Harald Meller. Die beteiligten Forscher seien sich nun einig, dass die Erkenntnisse zu Geschlecht, Alter und Lebensumständen der Toten zu Edithas Biografie passten.

Von dem Skelett waren nach Angaben des Anthropologen Kurt Alt von der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz nur 42 Knochen erhalten. Der Schädel fehle fast komplett, einzig der Oberkiefer und die Zähne des Unterkiefers seien in dem Sarg entdeckt worden.

Die Mainzer forscher fanden heraus, dass es sich bei der Toten um eine Frau zwischen 30 und 40 Jahren handelt. Sie sei etwa 1,57 Meter groß und oft zu Pferd unterwegs gewesen. Außerdem habe man nachweisen können, dass sich die Tote von hochwertigem Essen ernährt habe. Das könne man als Hinweis auf ihre adelige Herkunft deuten, erklärten die Wissenschaftler.

Edle Stoffe

Einen ganz starken Hinweis auf Editha lieferten die Strontium- und die Sauerstoffisotopen-Analyse der Zähne. Sie geben Hinweise auf den Aufenthaltsort während Kindheit und Jugend. Denn Zähne werden in der Kindheit angelegt, der Schmelz verändert sich nicht mehr.

Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass die Tote in jungen Jahren viel umherreiste und später in ihrer Jugend dann sesshaft wurde. Das deckt sich mit der bekannten Biografie Edithas. Als Königstochter war sie mit ihren Eltern in ihrer Kindheit ständig im Land unterwegs. Nach der Scheidung ihrer Mutter 919 lebte Editha verbannt in einem Kloster.

Die Untersuchung der Stoffreste an der Universität Kiel lieferte weitere Mosaiksteinchen. Bekannt ist aus historischen Quellen, dass Editha im Mittelalter mehrfach umgebettet wurde, letztmals 1510. Die Reste edler Stoffe im Bleisarg stammen allesamt aus dem 10. bis 16. Jahrhundert.

boj/chs/dpa