"Hobbit"-Star Ian McKellen Britische Regierung warnt Gandalf-Darsteller vor Russland-Reise

Der britische "Hobbit"-Star Ian McKellen wird vorerst auf eine Reise nach Russland verzichten - weil die Regierung in London ihn vor der homophoben Gesetzgebung dort gewarnt hat. Der offen schwul lebende Gandalf-Darsteller zeigt sich entsetzt.

Ian McKellen bei der BAFTA-Gala in London: "Und das im Land von Tschaikowski und Nurejew!"
REUTERS

Ian McKellen bei der BAFTA-Gala in London: "Und das im Land von Tschaikowski und Nurejew!"


London - Ein Millionenpublikum kennt den Schauspieler als Zauberer Gandalf in Peter Jacksons Tolkien-Verfilmungen. Doch seine Fans in Russland werden Sir Ian McKellen fürs Erste nicht leibhaftig zu Gesicht bekommen, obwohl der neue "Hobbit"-Film "Smaugs Einöde" auch dort in die Kinos kommt. Die Regierung in London habe ihm von Reisen nach Russland abgeraten, so der Schauspieler, der 1989 die britische Homosexuellen-Organisation "Stonewall" mitbegründet hatte.

"Sie würden mich nicht vor diesen Gesetzen beschützen können", habe das britische Außenministerium ihm mitgeteilt, sagte McKellen dem Magazin "Radio Times". Er bezieht sich dabei auf ein Gesetz, das die russische Duma im Juni verabschiedete: Es stellt jede "Propaganda" für "nicht traditionelle sexuelle Beziehungen" vor Minderjährigen unter Strafe - und wird als Anti-Homosexuellen-Gesetz interpretiert.

Der offen schwule 74-jährige Schauspieler zeigte sich in dem Interview ungläubig darüber, dass solche Gesetze heutzutage in Kraft treten könnten, "zweieinhalb Stunden von London entfernt. Im Land von Tschaikowski, Diaghilew und Rudolf Nurejew - schwulen Künstlern, deren Sexualität ihre Arbeit beeinflusst hat."

Das britische Außenministerium warnt in seinen Reisehinweisen vor einem "Maß an Intoleranz in Teilen der Bevölkerung" und rät Homosexuellen zur Vorsicht "bei öffentlichen Zuneigungsbekundungen". Auch das Auswärtige Amt der Bundesrepublik weist auf "Vorfälle von Gewalt nichtstaatlicher Seite" hin, "bei denen es zu Übergriffen auf Homosexuelle und gleichgeschlechtliche Paare gekommen" sei.

Durch das neue Gesetz drohten laut Außenamt auch Ausländern bei Weitergabe von Informationen, öffentlicher Demonstration und Unterstützung von Homosexualität Geldstrafen in Höhe von bis zu 100.000 Rubel (rund 2300 Euro), bis zu 15 Tage Haft und die Ausweisung aus der Russischen Föderation.

Das Vorgehen der Regierung in Moskau wird international kritisiert. Bundespräsident Joachim Gauck hatte angekündigt, nicht zu den Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi zu reisen. Die Absage ist nach Informationen des SPIEGEL als Kritik an den Menschenrechtsverletzungen und der Drangsalierung der Opposition in Russland zu verstehen. In Russland waren Gaucks Pläne auf Unverständnis gestoßen, die EU-Kommissarin Viviane Reding schloss sich ihnen wiederum ausdrücklich an.

feb/AP

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