

Methodisten-Pastor suspendiert: "Die Hassreden der Kirche nicht länger hinnehmen¿
Schwules Paar getraut Methodisten-Pastor vom Dienst suspendiert
Spring City - Er habe es aus Liebe getan, nicht um die Lehre seiner Kirche zu verspotten. So erzählt es Frank Schaefer, Methodisten-Pastor im US-Bundesstaat Massachusetts. Aus Liebe habe er seinen Sohn und dessen Partner 2007 getraut - obwohl seine Kirche gleichgeschlechtliche Ehen ablehnt.
Sechs Jahre später musste er sich nun dafür verantworten. Eine Jury aus Methodisten-Pastoren hat in Spring City (Pennsylvania) entschieden, dem von der Linie abgekommenen Geistlichen 30 Tage Zeit zu geben, um sein Handeln zu überdenken.
Es sei es an ihm, zu entscheiden, ob er die kirchliche Doktrin noch vertreten könne oder nicht. Falls ihm das nicht gelänge, solle er seinen Job an den Nagel hängen. Schaefer selbst geht laut einem Bericht des "Philadelphia Inquirer" davon aus, dass man ihn nach Fristende des Amtes entheben wird.
"Ich werde diese Hassreden der Kirche nicht länger hinnehmen", zitiert der "Philadelphia Inquirer" den Pastor, der während seiner Aussage einen regenbogenfarbenen Schal trug als Zeichen seiner Verbindung zur schwul-lesbischen Community. Es sei untragbar, dass die Kirche einige Menschen als Christen zweiter Klasse behandle. "Wir müssen im Namen Christi damit aufhören, Gottes geliebten Kindern wehzutun", sagte Schaefer, der in Iona in Lebanon County im US-Bundesstaat Pennsylvania predigt.
"Wollen Sie Buße tun? Versprechen Sie, nie wieder eine gleichgeschlechtliche Trauung vorzunehmen?", fragte "Staatsanwalt" Christopher Fisher. Schaefer verneinte. Sollte ihn jemand darum bitten, würde er auch binnen dieser 30 Tage eine gleichgeschlechtliche Trauung vornehmen, betonte der Geistliche. Bereits am Montag war Schaefer schuldig gesprochen worden, Kirchenrecht missachtet zu haben.
"Echte Liebe zieht Grenzen"
Die US-Methodisten akzeptieren schwule und lesbische Mitglieder, aber in ihrem "Book of Discipline" wird praktizierte Homosexualität dennoch als unvereinbar mit christlicher Lehre beschrieben. Gleichgeschlechtliche Ehen dürfen demnach nicht in Methodisten-Kirchen und nicht von Methodisten-Pastoren geschlossen werden. Erst im vergangenen Jahr hatte die 1000-köpfige Generalkonferenz, das höchste Gremium der Evangelisch-methodistischen Kirche, die 40 Jahre alten Leitlinien zu Homosexualität bestätigt.
Die Leitlinie ist längst nicht mehr unumstritten. Laut der Nachrichtenagentur AP haben sich schon Hunderte Pastoren dagegen ausgesprochen, mehrere müssen demnach wegen der Trauung gleichgeschlechtlicher Paare Konsequenzen fürchten.
Eine Verhandlung bei den Methodisten ähnelt in vielerlei Hinsicht einem echten Prozess. Es gibt einen Richter und eine Jury, Zeugenaussagen, einleitende Worte und Plädoyers. Schaefers Verhandlung fand in einem Kirchengebäude in Spring City statt, einer kleinen Stadt im Südosten Pennsylvanias.
Er habe vielleicht seine "rituelle Reinheit" verloren, als er sich nicht an die Vorgabe im "Book of Discipline" gehalten haben, hatte sich Schaefer am Montag verteidigt. Er habe sich aber an Gottes Vorgabe gehalten, jedem zu dienen. Die Jury, die aus Pastoren bestand, folgte jedoch eher den Argumenten der Gegenseite.
"Pastoren können nicht einfach ihre Gelübde nach persönlichen Vorlieben neu auslegen", hatte Ankläger Christopher Fischer gesagt. "Als ein Vater kann ich den Wunsch nachvollziehen, die eigenen Kinder unterstützen zu wollen", sagte Fisher. Aber man könne nicht immer alles für die Kinder tun, was sie wünschen. "Echte Liebe zieht Grenzen."
Frank Schaefer sagt, er habe vor der Trauung und kurz danach seine Vorgesetzten in der Kirche informiert, und es habe ihm keine Strafe gedroht. Vor der Jury landete der Fall nur, weil ein Gläubiger aus Schaefers eigener Gemeinde ihn im April dieses Jahres anzeigte - einen Monat bevor der Fall nach dem Recht der Kirche verjährt wäre. Er habe sich von Pastor Schaefer betrogen gefühlt, sagte Jon Boger, als er herausgefunden habe, dass der Mann, der seine Kinder taufte und seine Großeltern beerdigte, eine Homo-Trauung vollzogen hatte.
"Wenn Pastoren das Gesetz der Kirche in ihre eigenen Hände nehmen, beschädigt das ihre Glaubwürdigkeit und die Integrität der Kirche", sagte Boger. Dass seine Mutter, die den Chor der Kirche leitet, und der Pastor sich überworfen hatten, habe mit seiner Anzeige nichts zu tun.
Schaefer hätte laut AP einen Prozess verhindern können, wenn er zugesichert hätte, nie wieder eine gleichgeschlechtliche Ehe zu vollziehen. Aber er weigerte sich: Drei seiner vier Kinder sind homosexuell.