Winterwetter extrem "Heute ist die heikelste Phase"

Schneechaos, akute Lawinengefahr und eine angespannte Hochwasserlage: In Deutschland, der Schweiz und Österreich hält extremes Winterwetter die Menschen in Atem.

DPA

Tauwetter, Schneeschmelze, Regen: Während einige Orte in den Alpen im Schneechaos stecken und akute Lawinengefahr droht, sorgt das Wetter in Teilen Deutschlands für eine angespannte Hochwasserlage. Flüsse könnten zum zweiten Mal in diesem Jahr über die Ufer treten. Der Neckar wurde zwischen Heilbronn und Mannheim bereits für die Schifffahrt gesperrt.

Am Montagmittag stand der Rhein-Pegel Maxau bei Karlsruhe nur noch wenige Zentimeter unterhalb der Marke von 7,50 Metern - dem Grenzwert, ab dem keine Schiffe mehr passieren dürfen. Laut Angaben der Hochwasservorhersagezentrale (HZV) können die Wasserstände in einzelnen Bächen und Flüssen Baden-Württembergs Werte erreichen, wie sie durchschnittlich nur alle zehn Jahre vorkommen.

Auch der Wasserpegel des Rheins steigt wieder. Bei Karlsruhe könnte er den bisherigen Jahreshöchststand von 8,45 Metern noch übersteigen. Der mittlere Wasserstand liegt bei 5,16 Metern. Für Dienstagmorgen wurde in Köln eine Wasserhöhe von 7,50 Metern erwartet, sagte ein Sprecher der Hochwasserschutzzentrale. Ob der Schiffsverkehr erneut eingestellt werden muss, sei aber noch nicht abzusehen.

In Köln wird der Schiffsverkehr bei 8,30 Metern gestoppt. Anfang Januar hatte der Pegelstand bei fast 8,80 Meter gelegen. Der Fluss konnte erst nach drei Tagen wieder für die Schifffahrt freigegeben werden.

Höchste Lawinenwarnstufe in den Alpen

In den Bergen sorgen Tauwetter und Regen für Lawinengefahr. In großen Teilen der Alpen herrscht die höchste Warnstufe. "Man muss verbreitet in der Schweiz mit großen Lawinen rechnen", sagte Christine Pielmeier vom Davoser Schnee- und Lawinenforschungsinstitut (SLF) im Schweizer Rundfunk. "Heute ist die heikelste Phase, Entspannung erwarten wir eigentlich erst im Laufe des Dienstags."

In der Schweiz seien in südlichen Regionen teilweise innerhalb einer Woche drei Meter Neuschnee gefallen, sagte Pielmeier. So extreme Schneehöhen habe es seit 1999 nicht mehr gegeben. Die höchste Lawinengefahr gilt in einem breiten Streifen durch die ganze Schweiz von West nach Ost, vom Wallis bis nach Graubünden. Die Behörden raten dringend ab von Schneesport abseits gesicherter Pisten.

Zermatt erneut von der Außenwelt abgeschnitten

Auch in Österreich ist die Lage problematisch. In Tirol gilt für manche Gebiete die höchste Lawinenwarnstufe. Mit einer Entspannung der Situation sei erst im Lauf der Woche zu rechnen, berichtete die Nachrichtenagentur APA unter Berufung auf die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Salzburg.

In Österreich und der Schweiz waren Straßen- und Bahnverbindungen in zahlreiche Orte abgeschnitten, darunter die Wintersportorte Zermatt und Andermatt in der Schweiz sowie St. Anton und Galtür in Österreich. Hier sitzen Tausende Urlauber fest.

Zermatt ist allenfalls mit dem Hubschrauber erreichbar, und auch das war am Montag zeitweise nicht möglich, wie die Nachrichtenagentur SDA berichtete. Im Kanton Wallis sind Lawinen, Erdrutsche und Überschwemmungen zu befürchten.

Die Behörden haben Touristen und Anwohner aufgefordert, sich nur in Gebäuden oder im Dorfzentrum aufzuhalten. Wanderwege sind ebenso wie Straßen und Schienen gesperrt. Zermatt war bereits Anfang Januar bereits für einige Tage weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten.

Von Lawinen verschüttet: mindestens zwei Tote

In den bayerischen Alpen herrscht Lawinenwarnstufe vier von fünf, wie der dortige Warndienst mitteilte. Aus Steilhängen aller Höhenlagen sei mit der Selbstauslösung vieler mittlerer, teilweise auch großer Lawinen zu rechnen. Prognose für die kommenden Tage: Da es mild bleibe, werde auch die Lawinensituation weiterhin angespannt sein. Unternehmungen abseits gesicherter Pisten seien nicht zu empfehlen. Mehrere Straßen und Bahnverbindungen sind gesperrt.

In Oberbayern waren am Sonntag mehrere Lawinen abgegangen. Ein 30-Jähriger verletzte sich so schwer, dass er wenig später im Krankenhaus starb. Auch in der Slowakei kam ein Skifahrer ums Leben. Er war von einer Lawine verschüttet worden und wurde unter eineinhalb Metern Schnee tot aufgefunden.

In Davos in der Schweiz sind wegen des starken Schneefalls Sicherheitskräfte sowie Helfer des Weltwirtschaftsforums (WEF) im Dauereinsatz. Polizisten und Soldaten schippten mit Schaufeln Schnee vom Dach des Kongresszentrums, wo am Dienstag die WEF-Jahrestagung beginnt.

An Straßenrändern türmte sich der beiseite geschobene Schnee zum Teil meterhoch, teilweise waren Fenster und Autos zugeschneit. Wetterdienste berichteten am Vormittag von 42 Zentimetern Neuschnee innerhalb des vergangenen Tages. "So viel Schnee hatten wir hier noch nie", sagte ein WEF-Mitarbeiter.

Auch in Italien ist die Lage wegen des Winterwetters in einigen Regionen angespannt. Nachdem es viel Neuschnee gab, ist das Skiresort Livigno in der Lombardei von der Außenwelt abgeschnitten. Die Zufahrtsstraßen wurden wegen drohender Lawinen gesperrt, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete.

Im Aostatal, wo am Montag gebietsweise die zweithöchste Gefahrenstufe galt, ging am Morgen in dem Ort Oyace zwischen Aosta und der Schweizer Grenze eine Lawine auf eine Straße ab und traf ein Haus. Verletzt wurde niemand, wie der Bürgermeister des Ortes mitteilte.

SPIEGEL TV: Der weiße Tod - Winter der Lawinen (1999)

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