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05.02.2010
 

Tea-Party-Bewegung in den USA

Die Anti-Obama-Partei

Aus Tampa, Florida, berichtet Gregor Peter Schmitz

Der US-Präsident ist für sie ein Sozialist, der Staat zu groß: Am rechten Rand der amerikanischen Politik formieren sich radikale Konservative. Sie nennen sich Tea-Party-Bewegung und wollen zunächst die Republikanische Partei kapern. Sie eint ihr knallharter Widerstand gegen Barack Obama.


Tagsüber handelt Tom Gaitens, 44, mit Rohstoffen: mit Öl, Kupfer, Erz und Blei. Sein Büro liegt in einem grauen Schlafstädtchen mitten in Florida. Gaitens ist ein kleingewachsener Mann, seine quergestreifte Krawatte beißt sich mit seinem längsgestreiften Hemd. Er hat einen schlaffen Händedruck. Seine Arbeit langweilt ihn offensichtlich.

Doch abends beginnt er ein zweites Leben.

In einem italienischen Kettenrestaurant, direkt an der Schnellstraße im Örtchen Brandon, erklärt er die große Welt. Und ist da unter den Zuhörern nicht sogar Sarah Palin?

Barack Obama ist für Gaitens "ein Staatsliebhaber und Sozialist". Die amerikanischen Bürger? Bereit zur Revolution, wie einst die Aufständischen gegen die britischen Kolonialausbeuter. "Wir, die Mittelklasse Amerikas, holen uns unser Land zurück. Wir lassen es uns nicht länger gefallen, dass der Präsident sich wie ein sozialistischer Diktator gebärdet und unsere Verfassung mit Füßen tritt", ruft er.

Die Frau neben ihm, andächtig zuhörend, ist nicht wirklich Palin, sondern Toms Bekannte Stacy, doch sie sieht aus wie Sarah Palin: fast dieselben Brillengläser, dieselbe Frisur, sie trägt ein tief ausgeschnittenes Kostüm. Beim Wort Sozialismus schreibt sie heftig nickend mit, sie betet vor dem Essen, nach der Mahlzeit packen Tom und Stacy die Bruschetta-Reste sorgfältig in Plastikboxen, für die Kinder daheim. Tom hat drei, Stacy sechs.

Amerikas neue Graswurzelbewegung

Der Präsident und die echte Palin, die mittlerweile 100.000 Dollar pro Redeauftritt verlangt, sind weit weg. Doch Gaitens und seine Anhänger finden Gehör. Bei der Republikanerin Palin wie auch im Weißen Haus. Der Rohstoffhändler ist einer der führenden Männer der Tea-Party-Bewegung, die nach nur einem Jahr Obama dessen Heer von "Yes, we can"-Jüngern als wichtigste Graswurzelbewegung der amerikanischen Politik abgelöst hat. Sie könnten den Präsidenten stoppen - und Amerikas Konservativen neues Leben einhauchen.

Die Protestler beziehen sich auf den Aufstand in Boston 1773, als Siedler in Amerika die Teesäcke der East India Trading Company ins Hafenwasser schleuderten. Sie wollten weniger Steuern und mehr Mitbestimmung - und die Aufständischen von heute wollen das auch. "Wie unsere Vorfahren gegen König Georg III. müssen wir uns gegen die Regierung Obama wehren", sagt Gaitens.

Er geht den Kalender der kommenden Wochen durch, er rattert die Teilnehmerzahlen herunter. 500, 1000, 5000. Zum Tax Day am 15. April, wenn Amerikaner ihre Steuern zahlen müssen, sollen Tausende Protestaktionen im ganzen Land stattfinden, zum Unabhängigkeitstag auch. Ach ja, und zwischendurch noch die Unterrichtsklassen für politisch lernwillige Bürger. Auf dem Lehrplan: Der Staat muss schrumpfen, der Staat ist schlecht, Sozialismus ist böse. Gaitens ist ausgebucht, "die Leute dürsten nach Wissen", sagt er.

"Wie ein Mussolini im Weißen Haus"

41 Prozent der Amerikaner bewerten in Umfragen die Bewegung als positiv. Sie sind die Krisengewinnler in einem Land, dessen Einwohner in Umfragen immer noch überwiegend Misstrauen gegen eine starke Rolle des Staates hegen. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat diesen Argwohn paradoxerweise vergrößert. Denn die Staatsschuld stieg immer weiter, und immer mehr Bürgern platzte der Kragen. Eine staatlich subventionierte Krankenversicherung für die Armen wollen sie nicht auch noch finanzieren.

Als Tea-Party-Protestler im Sommer 2009 bei Bürgersprechstunden gegen Obamas Gesundheitsreform auftauchten und schrien: "Ich will mein Land zurück", taten viele sie als Globalisierungsverlierer mit schlechten Zähnen ab. Doch schon ein paar Monate später pilgerten Zehntausende von ihnen nach Washington - angefeuert vom ehemaligen Alkoholiker und bekennenden konservativen TV-Talker Glenn Beck, der zum Marsch auf die Hauptstadt aufgerufen hatte. Seither haben sie noch mehr Zulauf, Leute von Anfang 20 bis Anfang 80, die meisten stehen den Republikanern nahe, doch selbst Demokraten sind darunter.

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Die neuesten Beiträge:
23.02.2010 von Sassy60: Harte Tour

Nachdem man das volle Ausmaß der Schäden, die Schußwaffen an menschlichen Körpern anrichten, gesehen hat, ist es einem sch...egal, ob diese legal oder illegal waren. Man wünscht sich nur, dass sie für immer weggeschlossen [...] mehr...

23.02.2010 von Montanabear: Ein Jahr Obama - die Bilanz

Die werten Foristen, obwohl bestrebt, sich zu bilden, vermeiden die GOP-website wie die Pest. Angst vor Aufklärung ? mehr...

23.02.2010 von Montanabear: Ein Jahr Obama - die Bilanz

Das ist nicht so. Ich hatte Ihnen einen link zu der Website der Black Republicans gegeben. Ihr Fehler ist daraus entstanden, daß Sie meinen, die Demokraten sind lieb und die Schwarzen sind lieb, also sind alle Schwarzen [...] mehr...

22.02.2010 von masshole:

Schon mal nach Osten geschaut? Fragen Sie doch mal die Europaer im Osten, so in Estland oder so... Die haben da klare Meinungen zu. mehr...

22.02.2010 von masshole:

Free speech und das Recht Waffen zu besitzen und tragen haben exakt gleichen Verfassungsrang. Das mag schwierig sein zu verstehen, aber so isses nun einmal. ---Zitat--- Ist Deutschland ne Diktatur? ---Zitatende--- Noch [...] mehr...

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Obamas erstes Jahr - Das sagen die Kommentatoren

USA - "Es geht um die Wirtschaft, Dummkopf"

"Washington Post" "Der Erfolg der Konservativen sollte Liberale und die Obama-Regierung beunruhigen. Der Präsident hätte die wirtschaftliche Katastrophe viel früher zur Chefsache erklären müssen. Die meisten Amerikaner verstehen, dass diese Probleme begonnen haben, bevor er ins Weiße Haus eingezogen ist. Aber viele von ihnen, vor allem Wechselwähler, sind wütend, dass die Regierung so viel Geld ausgeben musste - und dass die Erfolge nicht so schnell eintreten wie erhofft."

"The Daily Beast" "Obama hat den Charakter des Landes völlig falsch eingeschätzt. Es gibt das Sprichwort: Es geht um die Wirtschaft, Dummkopf. Das hat er nicht verstanden. Er war entschlossen, eine ganz neue Agenda zu verabschieden - um das wichtigste Anliegen hat er sich nicht gekümmert. Die Gesundheitsreform wird ein Haushaltsdesaster für das Land. Der Großteil der Amerikaner wollte die steigenden Kosten angehen, nicht mehr Versicherungsschutz bieten. Das wird die Kosten dramatisch erhöhen. (...) Obamas Fähigkeit, mit Wählern zu kommunizieren, hat ihn erst groß gemacht. Am meisten hat mich überrascht, dass er diese Fähigkeit verloren hat. Er tritt viel zu oft auf - und jetzt hören ihm die Leute nicht mehr zu."

"New York Observer" "Es ist nicht die Zeit für Totsagungen. (...) Zu viele Amerikaner glauben, dass er wenig erreicht hat und ihr Vertrauen verloren hat. Sie täuschen sich aber - genauso, wie sich diejenigen getäuscht haben, die Bill Clintons Präsidentschaft zur Hälfte seiner ersten Amtszeit schon abschrieben. Mit Blick auf seine Gesetzgebungsarbeit ist Barack Obama ein sehr effektiver Präsident. Das betont unparteiische Fachblatt 'Congressional Quarterly' beurteilt ihn als den effektivsten Präsidenten der vergangenen fünf Jahrzehnte."

Großbritannien - "Knöpf Dir die bösen Jungs vor, Barack!"

Frankreich - " Lassen wir ihm noch ein wenig Zeit"

Russland - "Moskau ist enttäuscht"

Arabische Presse - "Er hat den Muslimen die Hand gereicht"

Spanien - "Der Politiker verblasst hinter seinem Mythos"

Italien - "Das Image ist wiederhergestellt, nun ist Entschlossenheit nötig"

Schweiz - "Ton und Mimik haben sich verändert"

Dänemark - "Unterwegs haben ihn die Realitäten eingeholt"

Ungarn - "Es geht um die Macht des Symbolischen"





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