Attacke auf Polizistin Erschossener Angreifer in Berlin war verurteilter Islamist

Die Staatsanwaltschaft hat Details zu dem Angriff in Berlin bekannt gegeben: Demnach hatte ein 41-jähriger Iraker eine Polizistin attackiert und wurde dann von einem Beamten erschossen. Er habe der Islamistenszene angehört.


Berliner Polizisten haben einen Mann erschossen, der mit einem Messer eine Beamtin angegriffen haben soll. Der Angreifer war nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Islamist. Wie Oberstaatsanwalt Dirk Feuerberg mitteilte, habe der 41-jährige Iraker in Berlin gewohnt und habe der Islamistenszene angehört.

Den Behörden war der Mann bekannt: Rafik Y. sei bereits 2008 vom Oberlandesgericht Stuttgart wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation zu einer Haftstrafe verurteilt worden, hieß es. Er galt als Chefplaner eines vereitelten Anschlags auf den damaligen irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi in Berlin im Jahr 2004.

Nach dem Urteil kam der Mann 2013 wieder zurück nach Berlin und wurde weiterhin von den Behörden als Gefährder eingestuft. Wie die "Welt" berichtet, sei eine Abschiebung in den Irak nicht möglich, da dem Asylberechtigten dort die Todesstrafe drohte.

Derzeit habe er unter Führungsaufsicht gestanden und die Anweisung erhalten, keinen Kontakt zu Islamisten aufzunehmen. Er habe eine elektronische Fußfessel getragen - diese habe er jedoch am Morgen entfernt.

Der Mann sei "ausgesprochen aggressiv aufgetreten". Unter anderem habe er vor Kurzem in einer Gerichtsverhandlung eine Richterin bedroht.

Details zum Tatverlauf: Um 9.48 Uhr war bei der Polizei ein Notruf eingegangen. Passanten hatten beobachtet, wie ein Mann mit einem Messer in der Heerstraße in Berlin-Spandau Menschen bedrohte. Vier Streifenwagen erreichten laut Polizeiangaben den Tatort im Westen Berlins kurz nach dem Alarm.

Als die ersten beiden Polizisten ausstiegen und sich dem Mann näherten, sei dieser auf die die 44-jährige Polizeibeamtin zugerannt und habe sie mit einem Klappmesser mit neun Zentimeter langer Klinge in Hals und Schulter gestochen. Daraufhin seien mehrere Schüsse abgegeben worden. Ob einer oder mehrere Polizisten schossen, sagte der Sprecher nicht.

Nach Angaben des Oberstaatsanwalts Dirk Feuerberg wurde die Wohnung des 41-Jährigen auf Hinweise zu Terror-Plänen überprüft. Für eine Einschätzung, ob der Angriff terroristisch motiviert war und es ein vorbereiteter Anschlag war, sei es noch zu früh. "Er ist mehrfach in Erscheinung getreten, weil er ausgesprochen aggressiv auftrat", so Feuerberg über den Mann. Es habe mehrere Fälle von Bedrohung gegeben. Dies habe er damit gerechtfertigt, dass die Opfer gegen seine Religion verstoßen hätten.

Der Angreifer starb trotz Wiederbelebungsversuchen. Die schwer verletzte Polizistin wurde mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen, ihr Zustand ist derzeit stabil. Die Beamtin wurde wahrscheinlich auch durch einen Schuss ihres Kollegen verletzt. Zunächst untersuchte eine Mordkommission den Fall, inzwischen hat der Staatsschutz übernommen. Die Pistolen der Polizisten wurden eingesammelt.

vek/sms/jdl/dpa

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