Korruptionsprozess Bo Xilai beschuldigt seine Ehefrau

Bo Xilai am dritten Prozesstag: Wehrhafter Angeklagter
Foto: AFP/CCTVJinan - Der gefallene chinesische Politstar Bo Xilai hat sich auch am dritten Prozesstag gegen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft verteidigt - und gleichzeitig seine inhaftierte Frau Gu Kailai angegriffen. Laut der Nachrichtenagentur AP beschuldigte Bo seine Frau, Regierungsgelder veruntreut zu haben. "Ich schäme mich dafür", sagte Bo. "Ich war zu sorglos." Es sei ihm nicht gelungen, das Geld zurückzuzahlen. "Aber kann man sagen, ich hätte das Geld veruntreuen wollen? Nein."
Laut der Nachrichtenagentur Reuters sagte Bo aus, er habe von den Gesprächen zwischen einem Behördenvertreter und seiner Frau ebenso gewusst wie von dessen Angebot, das Geld zu transferieren. Er habe es geschehen lassen und sei nicht wachsam gewesen. In diesem Fall geht es um eine Summe von rund 800.000 Dollar.
Über die Zeugenaussage des Behördenvertreters mokierte sich der Angeklagte jedoch. Wang Zhenggang hatte nach eigener Aussage mitbekommen, wie Bo in den neunziger Jahren seiner Frau am Telefon sagte, er werde Geld von einem staatlichen Bauprojekt für die Familie abzweigen. Nicht einmal der dümmste Beamte würde über Korruption am Telefon reden, sagte Bo vor dem Gericht im ostchinesischen Jinan. Das geht aus dem Protokoll hervor, das vom Gericht im Internet veröffentlicht wurde. "Würde ein Veruntreuer so vorgehen?", fragte Bo demnach. "Würde ich etwas so Sensibles am Telefon besprechen?"
Bo nennt Aussage seiner Frau "lächerlich"
Die Anklage wirft dem ehemaligen Mitglied der politischen Elite Chinas vor, umgerechnet 2,5 Millionen Euro Bestechungsgeld angenommen zu haben. Ihm droht lebenslange Haft. Ausländische Journalisten sind zu dem Verfahren nicht zugelassen.


Bo Xilai: Chinas Prozess des Jahres
Als Kronzeuge traten an den drei Prozesstagen mehrere Geschäftsleute auf, darunter der Milliardär Xu Ming, der im Zuge des Skandals im April 2012 selbst festgenommen worden war. Das Verfahren war durch den Mord an dem britischen Geschäftsmann Neil Heywood ins Rollen gekommen. Der Freund der Familie Bo war 2011 vergiftet in einem Hotelzimmer aufgefunden worden. Bos Frau wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.
In dem Prozess zeigt sich Bo überraschend wehrhaft. Er griff mehrere Zeugen scharf an und bezeichnete eine Aussage seiner Frau als "lächerlich". Am dritten Verhandlungstag berichtete Bo laut AP auch von einem Streit mit seiner Frau, weil er eine Affäre gehabt habe.
Die Staatsanwaltschaft erscheint in keinem guten Licht. "Die Anklage ist sehr schwach", sagte Cheng Li vom US-Forschungsinstitut Brookings Institution im Interview des Senders CNN.
Die chinesische Öffentlichkeit verfolgt den Prozess gebannt über den Kurznachrichten-Feed des Gerichts. "Der Richter ist klasse, aber die Ankläger sind Tölpel", schrieb ein Nutzer als Kommentar zu den Protokollen im Kurzmitteilungsdienst Weibo. Beobachter gehen dennoch davon aus, dass Bo schuldig gesprochen wird. Schon Anfang September wird mit einem Urteil gerechnet.