Schwere Vorwürfe Justiz ermittelt gegen KSK-Soldaten

Vergewaltigung, sexueller Missbrauch von Kindern, schwerer Landfriedensbruch: Die Justiz ermittelt gegen mindestens sechs Elitesoldaten der Bundeswehr. Dabei geht es auch um die rechte Gesinnung einiger Soldaten.

KSK-Mitglieder
REUTERS

KSK-Mitglieder


Neuer Skandal beim Kommando Spezialkräfte (KSK): Nachdem im November bekannt wurde, dass ein Oberstleutnant der KSK bei einer Feier den Hitlergruß gezeigt haben soll, ermitteln Staatsanwälte nun zusätzlich gegen mindestens sechs Mitglieder der Bundeswehr-Eliteeinheit.

Das berichtet die "taz" und bezieht sich dabei auf eine Antwort der Bundesregierung an die Bundestagsabgeordnete Martina Renner (Linksfraktion). In dem Schreiben aus dem Verteidigungsministerium werden unter anderem diese Tatvorwürfe aufgeführt:

  • Es geht demnach in einem Ermittlungsverfahren um den Vorwurf der Vergewaltigung,
  • in einem weiteren um sexuellen Missbrauch von Kindern und den Besitz von kinderpornografischem Material.
  • Einem anderen Soldaten wird die Misshandlung von Untergebenen vorgeworfen,
  • einem nächsten besonders schwerer Landfriedensbruch sowie Körperverletzung
  • und wieder einem anderen KSK-Mitglied ein besonders schwerer Eingriff in den Straßenverkehr und Abrechnungsbetrug.

Die Bundesregierung weist "taz"-Angaben zufolge in dem Schreiben darauf hin, dass die Erkenntnisse der Ermittler nicht umfassend und gesichert seien. Die Strafverfolgung selbst ist Ländersache.

4000 Euro Geldstrafe für Hitlergruß

Besonders heikel sind die weiteren politischen Verfahren, die in dem Schreiben genannt werden. So gibt es neben dem Oberstleutnant, der für das Zeigen des Hitlergrußes eine Geldstrafe von 4000 Euro bekommen hat, noch zwei weitere Ermittlungsverfahren wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen gegen KSK-Soldaten.

Laut dem Wehrressort sind beide Fälle bereits vollständig ermittelt, allerdings steht ein Urteil noch aus. Dass es ausgerechnet bei der Elite-Einheit der Bundeswehr, einer kleinen und sorgsam abgeschotteten Truppe, so viele Verfahren wegen einer möglichen rechten Gesinnung von Soldaten gibt, wirkt bedrohlich.

Das Kommando Spezialkräfte hat nur rund 1000 Soldaten, nur ein Teil davon sind sogenannte Kommandosoldaten, die tatsächlich für Operationen eingesetzt werden. Die Kämpfer sind umfassend ausgebildet und sollen vor allem für Geiselbefreiungen im Ausland und den Schutz der Bundeswehr bei Auslandsmissionen eingesetzt werden.


Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version dieser Meldung hieß es, die Bundesregierung betont in ihrem Schreiben, die Erkenntnisse der Ermittler seien umfassend und gesichert. Dies ist nicht der Fall und wurde entsprechend korrigiert.

dop/mgb

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Referendumm 30.11.2018
1. Gloria
Erinnert sich noch einer daran, wie sehr Joachim Witt aufgrund seines Songs "Gloria" und des dazugehörigem Videoclips angefeindet wurde? Aus allen Ecken tiefste Verachtung, denn so etwas würde es ja in der BW/KSK ja nie geben. Tja, so schnell kann sich etwas ändern. Ansonsten wird die dt. Justiz, schon entsprechende Strafen finden.
colada 30.11.2018
2. Personalproblem
Obwohl man im Geheimen arbeitet, darf es keine Parallelkultur geben, die im Widerspruch zum GG steht. Entweder, man setzt auf falsches Personal, oder man betreut die Soldaten nicht ausreichend. Das sind doch meines Erachtens Auswirkungen von einem schlechten Stressmanagement und/oder des Auswahlprozesses. Zudem muss man sich die Führungsoffiziere genau anschauen. Es darf bei der Auswahl keine Kompromisslösungen geben. Passen die Bewerber nicht zur Anforderung, sollte man über ein neues Tarifmodell nachdenken, damit ggf. andere Persönlichkeiten den Weg zum KSK finden. Das ist jedenfalls keine Werbung für die Eliteeinheit und die Bundeswehr im Allgemeinen. Hätte man die Auswahl zwischen Elite-Uni oder Elite-Einheit, wäre die Einscheidung doch für viele potentielle Bewerber schnell getroffen.
Alexis_Saint-Craque 30.11.2018
3. Der junge Törless
Männer unter sich. In abgeschotteten Bereichen.
elagabalu 30.11.2018
4. Verlust der ANSTÄNDIGKEIT
durch alle Schichten. Aber die KSK, oder alle Eliteeinheiten bzw. die Bundeswehr im ganzen zu verteufeln ist doch zu kurz gegriffen. Ein Oberstleutnant zeigt den Hitlergruß; der kann so doof nicht sein und doch tut er so etwas....Ich habe während meiner 30 Jahre Bw nichts vergleichbares erlebt. Allerdings sieht man vieles anders wenn man die Facetten der Menschen in Kriegsgebieten oder in Hungergebieten im Nahen Osten bzw. in Afrika gesehen hat, man ist dann um einiges desillusionierter als manch ein Linker Gutmensch hier. Trotzdem ist so ein Verhalten nicht hinnehmbar, man darf auch unter Tieren nicht zum Tier werden.
yoda56 30.11.2018
5. 4.000 Euro Strafe für den Hitlergruß?
Soll das etwa heißen, dass dieser "Nazi in Uniform" (ich dachte immer, das heißt "Bürger in Uniform") weiterhin der Truppe als Oberleutnant angehört und damit weiter sein rechtsradikales Unwesen treiben darf? Jetzt fällt mir wirklich nichts mehr ein - HABE FERTIG!!!!!
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