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Schwere Vorwürfe Justiz ermittelt gegen KSK-Soldaten

Vergewaltigung, sexueller Missbrauch von Kindern, schwerer Landfriedensbruch: Die Justiz ermittelt gegen mindestens sechs Elitesoldaten der Bundeswehr. Dabei geht es auch um die rechte Gesinnung einiger Soldaten.
KSK-Mitglieder

KSK-Mitglieder

Foto: © Michaela Rehle / Reuters/ REUTERS
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Neuer Skandal beim Kommando Spezialkräfte (KSK): Nachdem im November bekannt wurde, dass ein Oberstleutnant der KSK bei einer Feier den Hitlergruß gezeigt haben soll, ermitteln Staatsanwälte nun zusätzlich gegen mindestens sechs Mitglieder der Bundeswehr-Eliteeinheit.

Das berichtet die "taz"   und bezieht sich dabei auf eine Antwort der Bundesregierung an die Bundestagsabgeordnete Martina Renner (Linksfraktion). In dem Schreiben aus dem Verteidigungsministerium werden unter anderem diese Tatvorwürfe aufgeführt:

  • Es geht demnach in einem Ermittlungsverfahren um den Vorwurf der Vergewaltigung,
  • in einem weiteren um sexuellen Missbrauch von Kindern und den Besitz von kinderpornografischem Material.
  • Einem anderen Soldaten wird die Misshandlung von Untergebenen vorgeworfen,
  • einem nächsten besonders schwerer Landfriedensbruch sowie Körperverletzung
  • und wieder einem anderen KSK-Mitglied ein besonders schwerer Eingriff in den Straßenverkehr und Abrechnungsbetrug.

Die Bundesregierung weist "taz"-Angaben zufolge in dem Schreiben darauf hin, dass die Erkenntnisse der Ermittler nicht umfassend und gesichert seien. Die Strafverfolgung selbst ist Ländersache.

4000 Euro Geldstrafe für Hitlergruß

Besonders heikel sind die weiteren politischen Verfahren, die in dem Schreiben genannt werden. So gibt es neben dem Oberstleutnant, der für das Zeigen des Hitlergrußes eine Geldstrafe von 4000 Euro bekommen hat, noch zwei weitere Ermittlungsverfahren wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen gegen KSK-Soldaten.

Laut dem Wehrressort sind beide Fälle bereits vollständig ermittelt, allerdings steht ein Urteil noch aus. Dass es ausgerechnet bei der Elite-Einheit der Bundeswehr, einer kleinen und sorgsam abgeschotteten Truppe, so viele Verfahren wegen einer möglichen rechten Gesinnung von Soldaten gibt, wirkt bedrohlich.

Das Kommando Spezialkräfte hat nur rund 1000 Soldaten, nur ein Teil davon sind sogenannte Kommandosoldaten, die tatsächlich für Operationen eingesetzt werden. Die Kämpfer sind umfassend ausgebildet und sollen vor allem für Geiselbefreiungen im Ausland und den Schutz der Bundeswehr bei Auslandsmissionen eingesetzt werden.


Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version dieser Meldung hieß es, die Bundesregierung betont in ihrem Schreiben, die Erkenntnisse der Ermittler seien umfassend und gesichert. Dies ist nicht der Fall und wurde entsprechend korrigiert.

dop/mgb