Mainz-Stürmer Szalai Der Solokünstler

Dreimal hat der Mainzer Adam Szalai gegen Hoffenheim getroffen, er führt die Torschützenliste der Bundesliga an. Nach einer langen Verletzungspause hatten nicht viele an sein Comeback geglaubt - doch der Ungar ist körperlich und geistig gestärkt aus dieser Zeit hervorgegangen.

Mainz-Stürmer Szalai: Drei Tore gegen Hoffenheim
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Mainz-Stürmer Szalai: Drei Tore gegen Hoffenheim


Irgendetwas schien anders zu sein, als Adam Szalai über seine Tore jubelte. Er riss die Arme in die Luft, drehte seine Ehrenrunde zur Mainzer Fastnachtsmusik. Doch nach jedem seiner drei Treffer gegen 1899 Hoffenheim der gleiche Eindruck beim Betrachter: Szalai, diesem Helden der Partie, fehlte etwas. Es fehlten die Mitjubelnden an Szalais Seite, die, mit denen er zwei Jahre zuvor als "Bruchweg-Boys" Luftgitarre spielend zu Bekanntheit gelangt war, Lewis Holtby und André Schürrle.

Es waren Szalais erste große Auftritte auf der Bundesliga-Bühne, sie sind dem Publikum im Gedächtnis geblieben. Doch der Zuschauer muss sich an ein neues Bild gewöhnen. Szalai braucht kein Bandensemble mehr, um erfolgreich zu sein. Er ist in den vergangenen beiden Jahren zum Solokünstler gereift.

Mit sieben Treffern führt der 24-Jährige gemeinsam mit Bayerns Mario Mandzukic die Torschützenliste der Bundesliga an. Dabei war der Ungar lange Zeit verletzt, konnte wegen eines Kreuz- und Außenbandrisses rund ein Jahr nicht spielen. Nicht jeder hat damals an sein Comeback geglaubt. Er schon. "Ich habe nie daran gezweifelt, dass ich das schaffe", sagte er kürzlich der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Ein Jahr voll Operationen, Schmerzen, Reha-Maßnahmen. Eine Qual.

Doch Adam Szalai ist gestärkt aus dieser Zeit hervorgegangen, nicht nur körperlich. Die Phase habe ihm geholfen, sich mental weiterzuentwickeln, sagt er. Nach der großen Show mit Holtby und Schürrle - Mainz gewann damals seine ersten sieben Saisonspiele, führte mehrere Wochen die Tabelle an - kam die große Ernüchterung. "Es lief alles perfekt, der ganze Bruchweg ist ausgeflippt", sagt Szalai. Aber davon habe er sich nach seiner Verletzung nichts mehr kaufen können.

Ein Jahr Verletzungspause hat Szalai geläutert

Es klingt, als habe ihn seine Zwangspause geläutert, als wisse er, dass auf jedes Hoch ein Tief folgt. Schon immer war der 1,92 Meter große Stürmer selbstbewusst auf dem Platz, schon immer war er selbstkritisch. Doch er ist nachdenklicher geworden, manchmal beinahe abgeklärt. Das klingt auch dann durch, wenn Szalai über seine Aufgaben als Angreifer spricht. "Ich habe gelernt, dass es mir nicht hilft, wenn ich mich auf Tore fixiere", sagte er der "FAZ". Er sei überzeugt, nur dann Tore zu schießen, wenn er seine taktischen Vorgaben erfülle: "Da reicht es nicht, egoistisch vorne zu warten."

Gegen Hoffenheim hat er genau das wieder unter Beweis gestellt. Szalai ist kein brillanter Techniker, kein Reus oder Özil. Aber er weiß, wann er wo stehen muss. Bescheiden sagte er nach dem Spiel: "Ich bin einfach glücklich, dass wir drei Punkte mehr haben. Das ist wichtiger als meine drei Tore." Szalais Treffer in der 21., 46., und 64. Minute hatten für das klare 3:0 (1:0) gesorgt, Mainz steht damit zumindest vorerst auf dem fünften Tabellenplatz.

Szalai weiß, dass das nicht so bleiben muss - und ist damit zufrieden. Erst im Sommer verlängerte er seinen Vertrag bei den 05ern um zwei Jahre bis 2015. "Ich bin nicht so weit, dass ich sagen könnte, dass ich bei Mainz schon alles erreicht habe", erklärte er. Dabei hatte der ungarische Nationalspieler schon ganz andere Fußballluft geschnuppert: Zwei Jahre spielte er in der zweiten Mannschaft von Real Madrid, stand Anfang 2009 sogar im Champions-League-Kader des spanischen Rekordmeisters.

Seine kommenden Herausforderungen sieht er aber in der Bundesliga. "Es gibt dort keine Spiele, die leicht sind. Vielleicht war es einmal etwas einfacher, als ich Lewis Holtby und André Schürrle an meiner Seite hatte", sagt er: "Die beiden sind nicht umsonst bei Top-Clubs und deutsche Nationalspieler." Es ist Adam Szalais große Stärke, dass er weiß, was er kann - und was nicht.

FSV Mainz 05 - 1899 Hoffenheim 3:0 (1:0)
1:0 Szalai (21.)
2:0 Szalai (46.)
3:0 Szalai (64.)
Mainz: Wetklo - Pospech, Svensson, Noveski, Diaz - Baumgartlinger, Soto - Nicolai Müller (82. Risse), Marco Caligiuri - Szalai (89. Parker), Rukavytsya (62. Kirchhoff)Hoffenheim: Wiese - Beck, Vestergaard, Compper, Johnson - Williams, Rudy (87. Grifo) - Firmino (60. Derdiyok), Usami - Joselu (77. Streker), Volland
Schiedsrichter: Winkmann
Zuschauer: 28.067
Gelbe Karten: Baumgartlinger (4) - Williams (6), Rudy (2)



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