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Verhandlungen 2015: Ver.di fordert im Schnitt zehn Prozent mehr Geld für Erzieher

Kindertagesstätte in Halle (Archivbild): Aufwertung sozialer Berufe Zur Großansicht
DPA

Kindertagesstätte in Halle (Archivbild): Aufwertung sozialer Berufe

Ver.di will die Berufe von Erziehern und Sozialarbeitern deutlich aufwerten, indem sie tariflich höher eingestuft und deutlich besser bezahlt werden. Die Verhandlungen dürften schwierig werden.

Berlin - Die Verhandlungen haben nicht mal begonnen, da steht schon die Frage im Raum: Werden Kitas im nächsten Jahr bestreikt? Eine Vorstellung, die bei berufstätigen Eltern große Unruhe auslöst - und die seit diesem Montag wieder möglich scheint: Denn die Gewerkschaft Ver.di geht mit ehrgeizigen Zielen in die 2015 anstehende Gesprächsrunde. Sie fordert ein Gehaltsplus von durchschnittlich zehn Prozent für Erzieher und Sozialarbeiter, wie sie am Montag bekannt gab.

Dieses Plus soll durch eine Aufwertung der Sozial- und Erziehungsdienste erreicht werden. Ver.di will die Beschäftigten in eine höhere Tarifgruppe heraufstufen. "Wir wollen damit den Veränderungen im Anforderungsprofil Rechnung tragen", sagte Ver.di-Chef Frank Bsirske in Berlin. Kitas seien zu einem wichtigen Lernort geworden, Sozialarbeit werde immer schwieriger und wichtiger. Soziale Berufe hätten einen Qualitätsschub vollzogen. "Ihre Aufwertung ist überfällig."

Keine allgemeine Lohnrunde

Bei den anstehenden Verhandlungen mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) geht es nicht um eine allgemeine Lohnrunde, sondern um die Einordnung der Berufe in der Vergütungsordnung. Ver.di hat die Eingruppierungsregeln zum Ende dieses Jahres gekündigt. Die Tarifkommission soll die Forderungen am 18. Dezember beschließen.

Betroffen davon sind unter anderem Kinderpfleger, Erzieherinnen, Heilpädagogen und Sozialarbeiter in kommunalen Kindergärten und Sozialeinrichtungen. 2009 hatte die Tarifverhandlung für die rund 220.000 Beschäftigten dieser Berufsgruppen für großes Aufsehen gesorgt: mit bundesweit wochenlangen Streiks in Kindergärten und Kitas.

Müssen sich Eltern wieder auf ein solches Szenario einstellen? "Man steckt ja in der Psychologie der Arbeitgeberseite nicht drin, ausgeschlossen ist das nicht", sagte Bsirske. Er rechne mit "Verhandlungen, die sich über mehrere Monate hinziehen". Die massiven Streiks von 2009 müssten sich nicht wiederholen. "Auch wenn es nicht schaden kann, wenn man sich auf so etwas vorbereitet."

yes/dpa

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insgesamt 62 Beiträge
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1. Das wäre ein Streik
howsy 24.11.2014
Den ich durchaus verstehen könnte!
2. verdienst
Herr Mutzel 24.11.2014
Was verdienen Erzieher eigentlich im Durchschnitt? Ja zu wenig aber in Zahlen ...
3. Das sollte es uns wert sein..
heckwasser 24.11.2014
Eine Berufsgruppe, die wirklich unterbezahlt ist, liebe Piloten!
4. Überfällig
warumeigentlich 24.11.2014
In diesen Bereichen (Sozialarbeiter, Erzieher), die mit immer weniger Mitteln immer mehr gesellschaftliche Probleme lösen müssen, ist eine Erhöhung der Gehälter seit Jahren überfällig. Auch andere Berufsgruppen, die für den Zusammenhalt der auseinander driftenden Gesellschaft verantwortlich sind (Pflegekräfte, Krankenschwestern..) müssen deutlich besser vergütet werden.
5. Richtig so
jstawl 24.11.2014
Ich gehe mal stark davon aus, dass es vor allem darum geht, Erzieher, die bisher in S6 (etwa auf E8 Niveau) waren auf S9 (etwa auf E9 Niveau) zu hieven. Sprich vom oberen Rand des mittleren Dienstes in den Bereich des unteren Rands des gehobenen Dienstes. Das ist aus eigener Erfahrung her etwa der Bereich eines Sachbearbeiters im öfftl. Dienst, der zumeist keine Führungsaufgaben hat, aber eigene Verantwortungsbereiche. Nur um das mal aufzuzeigen: Ein Erzieher verdient in S6 in der Anfangsstufe etwa 2366 Euro ab nä. Jahr (brutto). Netto sind das je nach Lage (Stkl I) vllt 1400-1450. In Zukunft wären es halt dann ca. 1550-1600, über die Erfahrungsstufen dann steigend auf ca. 3300 (brutto) bzw. bei der neuen Regelung dann wohl ca. 3750. Das macht dann netto ca. 2100-2200 aus, die eine langjährige Erzieherin (über 15 Jahre im Job) dann bekommen würde mit der neuen Regelung. Das aber nur so als Überschlag aus meinem Kenntnisstand. Jedenfalls sehe ich keinen Grund, warum ich als Sachbearbeiter oder Kollegen mehr verdienen sollten als ein Erzieher. Bzw. diese weniger als ich.
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Die Organisation
Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Ver.di) ist mit rund 2,1 Millionen Mitgliedern die zweitgrößte Gewerkschaft Deutschlands nach der IG Metall. Die Organisation ist 2001 durch die Fusion von ÖTV, DAG, IG Medien, HBV und Postgewerkschaft entstanden.
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Frank Bsirske ist seit der Ver.di-Gründung ihr erster Vorsitzender. Zuvor war der studierte Politikwissenschaftler Personaldezernent in Hannover. In den Achtzigern arbeitete er für die Grünen und ist heute noch Parteimitglied.

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Der DGB-Bundeskongress findet alle vier Jahre statt. Er ist das höchste Beschlussorgan und legt die Richtlinien der Gewerkschaftspolitik fest.


Die Delegierten werden von den DGB-Gewerkschaften gemäß ihrer Stärke entsandt: IG Metall und Ver.di stellen demnach die meisten Delegierten, die Polizeigewerkschaft die wenigsten. dpa

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