Zum Inhalt springen

Software-Milliardär Hasso Plattner Der Etat bin ich

Der Milliardär Hasso Plattner will mehr als die Hälfte seines Vermögens für wohltätige Zwecke spenden. Der Schnitt passt zu dem Mann mit der Macher-Mentalität: Statt Steuern zu zahlen, will der SAP-Gründer selbst bestimmen, wer von seinem Geld profitiert.
Software-Milliardär Hasso Plattner: Der Etat bin ich

Software-Milliardär Hasso Plattner: Der Etat bin ich

Foto: SAP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - In puncto soziale Verantwortung hat Hasso Plattner, 69, eine dezidierte Meinung. Gerade ist er, Gründer und Aufsichtsratchef der Software-Schmiede SAP, der Spendeninitiative The Giving Pledge  beigetreten. Dem exklusiven Club von Warren Buffett und Bill Gates hat er mindestens die Hälfte seines Reichtums versprochen, für wohltätige Zwecke. Plattners Vermögen, das größtenteils aus SAP-Aktien besteht, wird auf fast sechs Milliarden Euro geschätzt.

Selber geben statt umverteilen, so lässt sich Plattners soziales Credo zusammenfassen. Wenn ich eine Stiftung gründe und bei der Ausbildung von Top-Fachkräften mithelfe, dann übernehme ich soziale Verantwortung. Wenn ein Unternehmen eine stabile Rendite erwirtschaftet und dafür sorgt, dass der Mitarbeiterlohn steigt, dann übernimmt es soziale Verantwortung.

Steuern sind in Plattners Wertekosmos die schlechteste aller Lösungen, um einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Als der US-Milliardär Warren Buffet im August 2011 forderte, er wolle mehr Steuern zahlen, die Regierung solle endlich aufhören, die Reichen zu verhätscheln, regte sich Plattner furchtbar auf. Im kleinen Kreis sprach er sich gegen eine Vermögens- und Reichensteuer aus. Er erwog sogar, seine Steuererklärung öffentlich zu machen, um die eigenen Argumente zu untermauern, verwarf die Idee aber wieder. Vermutlich war es besser so. Gerade in Deutschland, wo viele den anderen ihre Erfolge neiden, hätte man ihn wohl missverstanden.

Selber geben - und selbst bestimmen, wofür. Es ist ein Credo, das zur Mentalität des Machers passt. Gemeinsam mit vier anderen Ex-IBM-Mitarbeitern gründete Plattner 1972 SAP. Geschäftsidee: eine Software, die jedes Unternehmen in jeder Branche verwenden kann. Heute arbeitet von Siemens über Gazprom bis Coca Cola fast jeder Großkonzern mit den Programmen der Walldorfer Software-Schmiede. Egal, ob es Ersatzteile bestellt, Löhne abrechnet, die Lager führt, Mahnungen schreibt. Würde die SAP-Software morgen verschwinden, die Weltwirtschaft stünde still.

Fotostrecke

Initiative der Milliardäre: Die Mitglieder

Foto: Spencer Platt/ Getty Images

Hart arbeiten und den Ertrag im Sinne der eigenen Werte einsetzen: Es gibt genug knickrige Reiche, die diese Philosophie als Ausrede nutzen, um möglichst wenig abzugeben. Hasso Plattner kann man das wahrlich nicht vorwerfen. Nicht nur, weil er jetzt Milliarden für wohltätige Zwecke verspricht, statt sich ein zweites Flugzeug, eine sechste Yacht oder ein neues Set Golfschläger zu kaufen.

Schon lange engagiert er sich für soziale Projekte. 200 Millionen Euro seines Privatvermögens steckte er ins Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik an der Universität Potsdam. Zehn Millionen Euro spendete er 2003 für den Ausbau der Bibliothek an der Universität Mannheim. In Südafrika unterstützt er zwei Universitäten im Kampf gegen Aids, ebenfalls mit Millionen. 20 Millionen Euro spendete Plattner 2007 für den Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses.

Bei SAP ist Plattner nicht der Einzige, der lieber selbst entscheidet, wer von seinem Geld profitiert. Mindestens drei weitere Mitgründer des Unternehmens sind aus ähnlichem Holz geschnitzt.

  • Hans-Werner Hector sponsert Projekte in der Kultur und in der medizinischen Forschung, dazu fördert er hochbegabte Schüler.
  • Sein Kollege Klaus Tschira fördert in einer nach ihm benannten Stiftung die Forschung in der Informatik und Mathematik.
  • SAP-Urgestein Dietmar Hopp ist nicht nur Mäzen des Profifußballvereins TSG 1899 Hoffenheim, sondern fördert auch gemeinnützige Projekte in den Bereichen Sport, Medizin, Soziales und Bildung.

"Ich möchte der Gesellschaft etwas zurückgeben", begründet Plattner seine Teilnahme an The Giving Pledge in einem knappen Brief . Das Geld, das er geben will, dürfte vor allem in seine eigenen Initiativen fließen. "Vor mehr als 20 Jahren habe ich eine Stiftung ins Leben gerufen, die sich auf Bildung und globale Gesundheitsprobleme konzentriert", sagt Plattner. "Es ist eine enorme Belohnung, wenn man die Wirkung sieht, die eine Spende haben kann."