Energiewende Albig kritisiert Gabriels Kohlekompromiss

SPD-Vorsitzender Gabriel, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Albig: "Richtig wäre die CO2-Abgabe gewesen"
Foto: Carsten Rehder/ dpaDer schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig hat Kritik am Kohlekompromiss geübt, den Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel vor der Sommerpause mit der Gewerkschaft IG-BCE und den Energiekonzernen ausgehandelt hat. "Richtig wäre die CO2-Abgabe gewesen", sagte Albig im Interview mit dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL. Doch habe Gabriel der Kohlelobby entgegenkommen müssen. Albig bemängelte zudem, dass die Regierung der Industrie hohe Zuschüsse für Kohlekraftwerke zahlen will, die für Notfälle vorgehalten werden. "Ich bezweifle, dass wir eine solche Kapazitätsreserve brauchen", sagte er dem SPIEGEL. "Meine Fachleute sagen, es wird die Schwankungen nie geben, es sei denn, wir bauen nicht genügend Hochspannungsnetze." (Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL.)
Albig forderte zudem, früher aus der Kohleverstromung auszusteigen als bisher geplant. "Wir dürfen nicht so tun, als ob die Kohlestrom-Ära erst 2050 endet; das muss schneller gehen", sagte der Sozialdemokrat. "Mit jeder Verzögerung laden Sie sich nur noch mehr Lasten auf, weil die Umstellungsprozesse am Ende umso gravierender sein werden."
Albig räumte zudem Fehler bei der Energiewende ein. Die Fördersätze für Wind- und Sonnenstrom seien jahrelang zu hoch gewesen. "Ein Windpark auf der Insel Fehmarn bringt Renditen, für die ich Herrn Ackermann von der Deutschen Bank wüst gescholten hätte", sagt er dem SPIEGEL. "Heute wissen wir, dass wir den erneuerbaren Energien auch mit weniger Geld zum Durchbruch verholfen hätten."