Passivrauchen Rauchverbote vermeiden Herzkrankheiten bei Nichtrauchern

Rauchverbotszeichen (im Hofbräuhauskeller in München, Januar 2009): "Keine Frage, dass Rauchverbote eine positive Wirkung haben"
Foto: Johannes Simon/ Getty ImagesWashington - Das Risiko für Passivraucher sinkt durch Rauchverbote laut einer neuen US-Studie signifikant. "Die Ergebnisse sind deutlich", sagt Thomas Frieden, der Chef der US-Gesundheitsbehörde CDC. "Rauchverbote schaden Unternehmen nicht, aber sie verhindern Herzinfarkte bei Nichtrauchern." Die am Donnerstag vorgestellte Studie stammt vom Institute of Medicine (IOM). Diese unabhängige Organisation gehört zu den Nationalen Akademien der USA und ist vom Kongress beauftragt, die Regierung in wissenschaftlichen Fragen zu beraten.
Die Studienleiterin Lynn Goldman von der Johns Hopkins University sagte, dass Passivraucher, die einer erheblichen Rauchbelastung ausgesetzt sind, statistisch die gleiche Wahrscheinlichkeit einer Herzerkrankung hätten wie Raucher, die bis zu neun Zigaretten am Tag qualmten. "Es ist keine Frage, dass Rauchverbote eine positive Wirkung haben", sagt Goldmann.
Der IOM-Bericht kommt zu dem Schluss, dass intensiveres Passivrauchen besonders schädlich ist, es aber kein risikofreies Niveau gibt. Es gebe "überwältigende" Beweise, dass bereits weniger als eine Stunde Passivrauchen am Tag einen Risikopatienten über die Klippe des Herzinfarkts stoßen könne, heißt es in dem Bericht. Die Studie stützt sich auf Erhebungen aus den USA, Kanada, Großbritannien und Italien. Demnach reduziert sich die Zahl der Herzinfarkte infolge eines Rauchverbots deutlich: Auch wenn die Angaben im Einzelfall zwischen minus 6 und minus 47 Prozent schwanken, ergibt sich jeweils eine sinkende Fallzahl.
Nach Angaben des IOM sind 41 Prozent aller US-Bürger in der Öffentlichkeit durch Rauchverbote geschützt - nicht genug, finden die IOM-Wissenschaftler. In Deutschland sind Rauchverbote Ländersache. Nach Angaben der Bundesdrogenbeauftragten Sabine Bätzing (SPD) sterben im Land 110.000 Menschen jährlich an den Folgen des Rauchens. Der im Sommer vorgestellte erste Deutsche Tabakatlas (siehe Fotostrecke links) belegt: Durchschnittlich ist zwar fast jeder dritte Bundesbürger (31 Prozent) Raucher. Im Norden Deutschlands wird mehr geraucht als im Süden. Und mit steigendem sozialen Status sinkt die Affinität zu Glimmstengeln.
Der Report verdeutlicht außerdem erneut, wie viele Kinder in Deutschland regelmäßig Zigarettenrauch ausgesetzt sind: Bei den elfjährigen Jungen und Mädchen ist es fast jedes vierte Kind, bei den 17-Jährigen sind es schon knapp zwei von drei Jugendlichen.
Dabei könne sich die positive Wirkung eines Rauchverbots schnell einstellen, schreiben die IOM-Forscher in ihrer Studie. In der Stadt Helena im US-Staat Montana sei die Zahl der Krankenhausaufenthalte wegen eines Herzinfarkts innerhalb von sechs Monaten nach Erlass eines Verbots um 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gefallen. In Nachbarregionen ohne Rauchverbot sei die Häufigkeit hingegen weiter angestiegen. In Pueblo im US-Staat Colorado fiel die Zahl in den drei Jahren nach einem Rauchverbot an Arbeitsplätzen sogar um 41 Prozent.