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Sibylle Berg

S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle Trotzige deutsche Frauen

Und Gysi musste alles ausbaden! Zwei Bundestagsabgeordnete wollten mal wieder etwas gegen Israel unternehmen. Ob die Ursache ihres Grolls womöglich sexuell-romantischer Natur ist?
Bedrängter Linken-Fraktionschef Gysi: Verfolgung bis aufs Klo

Bedrängter Linken-Fraktionschef Gysi: Verfolgung bis aufs Klo

Foto: YouTube/Blue Pilgrimage
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ach Mensch, Inge und Annette. So will ich an dieser Stelle die Bundestagsabgeordneten Inge Höger und Annette Groth nennen, die diese Woche zwei erklärte Israel-Gegner nach Berlin eingeladen hatten.

Da hatten sie alles so schön organisiert. Den Roten Salon angemietet, gute Freunde eingeladen, und dann verdirbt Gysi ihnen den Spaß. Für seinen Unwillen, die Parteifreundinnen zu unterstützen, wurde Gysi dann ja auch prompt bestraft - und musste ins Bundestagsklo flüchten, nachdem ihn die Herren Israel-Gegner höchstselbst gestellt hatten.

Recht geschieht es dem wackeren Linken, die Momente der Angst am Urinal wiegen leicht gegenüber der Enttäuschung, die er den tapferen Tunnelblick-Kameradinnen beschert hat. Inge und Annette also. Wo immer es etwas gegen Israel zu unternehmen gibt, ein Boot zu beladen, eine Flottillia-Reise zu unternehmen, zu einem Boykott aufzurufen - die wackeren Damen der Linken sind vermutlich dabei.

Fast schelmisch (urgs) wage ich freudianisch und natürlich völlig spekulativ zu vermuten, dass die Ursache ihres Grolls sexueller Natur ist. Lassen Sie mich raten: Inge und Annette, die israelkritischen linken Damen, waren einst Urlaub machen in Gaza .

Alles lief prächtig. Die Touren, das Essen, die Führungen, das Teetrinken, dieses erregende Gefühl, am rechten Ort zu sein. Die Stimmung war knufte, nicht dass dieses Wort von mir kommt. Es ist ein Inge-Wort. Mädchen, ist ja alles knufte hier. Lass uns jetzt noch mal einen Abstecher zu den Kapitalisten machen, Feindbetrachtung sozusagen.

Gesagt, getan, die mopsfidele Rasselbande also über die Grenze nach Israel. Und jedes Vorurteil wurde bestätigt. Wie unendlich ereignislos ist Tel Aviv, vielleicht waren sie ja dort. Von ein paar besoffenen jungen Menschen auf dem Dizengoff-Platz abgesehen kaum Obdachlose, keine unterdrückten Frauen, nix los, nicht einmal traurige Kinderaugen, wie auch, in diesem Land auf Blut gebaut.

Inge und ihre Posse vermissten die Aufregung, die es mit sich bringt, sich in exotischen Ländern aufzuhalten. Israel war irgendwie wie zu Hause in laut. Wer will schon unter Menschen sein, die man nicht retten kann. Wo ist der Thrill, wenn man irgendwo Urlaub macht und sich nicht nach unten beugen kann. Auf Kinderköpfe klopfen, ein wenig Angst vor dem rauen Eingeborenen haben, immer begleitet von einem sexuellen Knistern in der Luft.

Israel bietet in der Hinsicht kein erfrischendes Erlebnis für Weltretterinnen, die es vorziehen, die Probleme zu Hause zu ignorieren, wer will schon deutschen Kindern, die unterhalb der Armutsgrenze leben, die Köpfe kraulen. Abends saßen sie enttäuscht auf den europäisch wirkenden Boulevards in Cafés und blickten sehnsüchtig zum Horizont. Da hinten irgendwo lebten sie, die feurigen Männer Palästinas. Die Freiheitskämpfer.

Ein erregtes Zittern in ihren Körpern, und dann ließ ein gerechter Hass die Damen zu Israel-Kritikerinnen werden. Zu frustrierend dieses Land, in dem sie nichts weiter waren als normale Touristinnen. Daheim, im tristen Berlin, loderte die Flamme der Erinnerung. Die Damen hatten ein Ziel. Für ferne Geliebte zu kämpfen.

Ein Feuer, das bis heute nicht erloschen ist. Und das weiter lodert, bis in den Puderraum des Bundestages. In dem der gepflegte Israel-Kritiker (leises Hüsteln) sich nicht mehr erleichtern darf. Und hier endet die wirre Geschichte  von Sex, bewaffnetem Widerstand und trotzigen deutschen Frauen.