Familienministerin stellt BKA-Studie vor Alle fünf Minuten wird in Deutschland eine Frau misshandelt, gestalkt oder bedroht

Fast 140.000 Fälle häuslicher Gewalt wurden 2017 gemeldet, in der überwiegenden Mehrheit waren die Opfer Frauen. Familienministerin Giffey geht davon aus, dass 80 Prozent der Fälle im Dunkelfeld stattfinden.

Bundesfamilienministerium

Familienministerin Franziska Giffey hat in Berlin die Statistik zu Partnerschaftsgewalt des Bundeskriminalamts (BKA) vorgestellt. 113.965 Frauen wurden demnach von ihrem Partner oder ehemaligen Partner misshandelt, gestalkt oder bedroht. "Für viele Frauen ist das Zuhause ein gefährlicher Ort", sagte Giffey.

Die Politikerin machte deutlich, das zwar auch Männer unter den Opfern seien, diese jedoch mit 18 Prozent unter den insgesamt 138.893 Fällen die Minderheit darstellten. Die Zahl der Delikte stieg im Vergleich zum Vorjahr deutlich an. Das ist laut Giffey auch dadurch zu erklären, dass neue Deliktarten in die Statistik aufgenommen wurden, darunter Zwangsprostitution und Zuhälterei. 2016 hatte die Statistik 109.000 Frauen als Opfer häuslicher Gewalt gemeldet.

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In knapp 70 Prozent der in der Statistik erhobenen Fälle mit weiblichen Opfern ging es um Körperverletzung. 147-mal wurde eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Man müsse sich mal vorstellen, sagte Giffey, dass in einem "modernen und fortschrittlichen Land" statistisch gesehen an mehr als jedem dritten Tag pro Jahr eine Frau Opfer einer solchen Tat werde.

Wie schon im Interview mit dem SPIEGEL wies die 40-Jährige darauf hin, dass es Partnerschaftsgewalt in allen gesellschaftlichen Schichten gebe. Knapp 68 Prozent der Täter sind laut Statistik deutsche Staatsangehörige.

"Häusliche Gewalt geht durch alle Gruppen", sagte Giffey. Generell sei die Gefahr höher, wenn Alkohol, Geldsorgen und psychische Probleme im Spiel seien. Doch auch in gut situierten Familien gebe es Fälle.

Nach Einschätzung der Familienministerin stellen die Zahlen des BKA nur einen Bruchteil der tatsächlichen Delikte dar. Viele Betroffene würden die Taten nicht melden: Man gehe davon aus, dass 80 Prozent der Taten im Dunkelfeld stattfänden.

Giffey setzt sich für einen Ausbau der Hilfeangebote in Frauenhäusern ein. Derzeit könnten in den 350 Frauenhäusern und 600 Fachberatungsstellen pro Jahr 30.000 Frauen betreut werden. "Das reicht nicht", sagte Giffey. Im Jahr 2020 sollen 35 Millionen Euro in ein Aktionsprogramm gegen Gewalt an Frauen fließen und Länder wie Kommunen beim Ausbau von Hilfsstrukturen unterstützen.

Rund um die Uhr steht zudem ein Hilfetelefon zur Verfügung, dass in 17 Sprachen anonym berät. Die Anrufe würden auf Telefonrechnungen nicht angezeigt, sagte Hilfetelefon-Leiterin Petra Söchting.

bbr/dpa



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berther 20.11.2018
1. Mein Großvater...
...pflegte zu sagen, daß nur ein Groschen in der Hand nicht klimpern kann - es müssten mindestens zwei Groschen sein. Also würde mich mal die Gegenrechnung interessieren, die hier so verschämt verschwiegen wird. Aber für eine bestimmte Art von feministischen "Damen" scheinen Männer keine Menschen zu sein, und das mit Zustimmung des Mainstream.
SGPDIDA 20.11.2018
2. Dunkelziffer....?
Woher kommt diese ominöse Dunkelziffer? Auf welcher Basis wird diese berechnet? Warum 80% nicht 8% oder 8000%? Wer ist "Man" bei "Man gehe davon aus, dass 80 Prozent der Taten im Dunkelfeld stattfänden." ? Sind das dann die Männer die nicht gezahlt werden, wenn diese Statistik nur von 18% Männlichen Opfern ausgeht. Wenn ich an anderer Stelle gelesen habe, das Psychologen jedoch durchaus von einem 40/60 oder gar 50/50 Verhältnis Mann/Frau bei den Gewaltopfern ausgehen? Maenner allerdings meist weniger stark verletzt werden. Sind das ehrliche Zahlen oder nur ist das nur Dogma? Und 350 Frauenhauser sind nicht genug? Wieviele Schutzeinrichtungen fuer Maenner gibt es den? Wenn nur die Zahlen stimmen die hier gepredigt werden, dann sollte es doch min. 70 davon geben? Wieviel waren das nochmal wirklich? Ich glaub Null, oder lieg ich dort falsch? Irgendwie scheint die Politik ziemlich einseitig, aber ich kann auch Falsch liegen. Viele Fragen, die vom Artikel leider mal wieder nicht beantwortet werden. Schade!
Poppensucke2031 20.11.2018
3. Frauen können ins Frauenhaus, bei Männern erwartet man anderes
Meine damalige Frau war nach der Geburt unseres Kindes eine Gefahr für sich und andere. Trotz blutender Kopfwunde nach einem Tellerwurf durch sie empfahl man mir - mit Kind - zu einem Freund oder ins Hotel zu ziehen. Es versteht sich wohl, dass Männer kein Schutzwert haben und die Rechnung ohne weiteres selbst zu zahlen in der Lage sind. Gleiches Recht vor dem Gesetz gilt eben nur dann, wenn Populismus nicht gerade Vorfahrt bekommt.
zeroslammer 20.11.2018
4. Schöne Rede
Ich kenne Personen (auch Frauen) , die werden seid Jahren gestalkt, nix hilft da, nicht mal ne einstweilige Verfügung, die von der Polizei nicht durchgestzt wird, da wird man komplett stehen gelassen, trotz der neuen Gesetze. Kann man nix machen sagt die Polizei dann immer. Auch Gewalt gegen Männer habe ich schon erlebt. Da gibts dann oft gar keine Hilfe. Sollte der Gesetzesgeber mal nachbessern und es sollte nicht vergessen werden, dass häusliche Gewalt, von beiden Seiten begangen werden kann.
prophet46 20.11.2018
5. Die zu kurz gekommenen
Seit wir Frauen in der Regierung (und vermehrt auch in den Redaktionsstuben) haben gibt es immer mehr Artikel über Gewalt gegen Frauen, Verstöße gegen das Gleichbezahlungsprinzip,, Forderungen nach Frauenquoten wo auch immer usw. usw.. Die Damen beschäftigen sich offenbar hauptsächlich mit dem Geschlechterkampf. Zum Schluss haben die Frauen alle wichtigen Führungsposition wie z.B. in der Stadt Berlin unter sich verteilt..
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