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Griechenland-Reise Merkel kommt ohne Geld

Die Kanzlerin reist nach Athen - doch Hoffnungen auf neue Finanzhilfen erteilen die Deutschen schon im Vorfeld eine Absage: Griechenland sei durch eigene Versäumnisse in seiner schwierigen Lage und müsse die Spar-Verpflichtungen erfüllen, sagt Finanzminister Schäuble.
Bundeskanzlerin Merkel: Trifft in Griechenland auf hohe Erwartungen

Bundeskanzlerin Merkel: Trifft in Griechenland auf hohe Erwartungen

Foto: dapd
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Berlin/Athen - Wolfgang Schäuble findet deutliche Worte: "Diejenigen, die den Griechen einreden, Schuld an ihrer Lage sei die deutsche Bundesregierung oder gar Europa, die belügen die Menschen", sagte der Bundesfinanzminister am Sonntagabend in der ZDF-Sendung "Berlin direkt".

Angesichts der bevorstehenden Reise von Kanzlerin Angela Merkel in das krisengeschüttelte Griechenland rief Schäuble (CDU) die Regierung des Landes dazu auf, ihre Sparverpflichtungen einzuhalten: "Griechenland ist aufgrund eigener Versäumnisse in den letzten Jahrzehnten in einer äußerst schwierigen wirtschaftlichen und finanziellen Lage."

Der Besuch Merkels in Athen bedeutet nach den Worten von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nicht, dass die Griechen jetzt mit weiteren Hilfszahlungen rechnen können. "Nein, die Bundeskanzlerin wird nicht über den Gegenstand mit Griechenland sprechen, den die Troika zu berichten hat", sagte Schäuble in der ZDF-Sendung "Berlin direkt". Die Troika müsse erst berichten ob Griechenland seine Verpflichtungen aus dem Hilfsprogramm erfülle. "Darum geht's, der Rest ist ein bisschen Fantasie."

In der Bevölkerung kocht die Wut

Mit massiven Sicherheitsvorkehrungen bereitet sich Athen auf den Besuch der Bundeskanzlerin vor. 7000 Polizisten aus allen Teilen des Landes werden in der Hauptstadt zusammengezogen. Deutsche Einrichtungen wie die Botschaft und das Goethe-Institut werden nach Informationen griechischer Medien besonders geschützt.

In der Bevölkerung kocht die Wut über die Sparauflagen, für die oftmals vor allem die Politik der Bundesregierung verantwortlich gemacht wird. Die größten Gewerkschaften des Landes haben einen dreistündigen Streik mit einer Großdemonstration im Zentrum Athens angekündigt.

Experten von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) - die sogenannte Troika - werden am Montag in Luxemburg die Euro-Finanzminister über den Stand der Dinge informieren. Die EZB lehnt einseitige Hilfen für Griechenland ab.

Aus dem Umfeld der Troika sickerte durch, dass möglichst bis zum 15. Oktober die Verhandlungen abgeschlossen sein soll. Die Hoffnung ist, dann beim EU-Gipfel am 18. und 19. Oktober in Brüssel zumindest "etwas Positives" vorzulegen. Bis Ende November soll die dringend benötigte Hilfstranche in Höhe von 31,5 Milliarden Euro freigegeben werden. Nach Angaben von Samaras reiche das Geld in der Staatskasse noch bis dahin.

bos/dpa/dapd