

Gold in der Nordischen Kombination: Weit! Schnell! Gold!
Gold-Kombinierer Frenzel Der König kürt sich selbst
Die Skisprungarena war schon nahezu verwaist, als Eric Frenzel aufs Siegertreppchen trat. Vor allem die russischen Zuschauer - und das war die erdrückende Mehrheit auf den Tribünen gewesen - nahmen umgehend Reißaus, als sie sahen, dass es bei der Nordischen Kombination keinen Heimsieg geben würde.
Die Russen waren fort, also tat die Stadionregie dem frisch gekürten Olympiasieger einen Gefallen: Statt "Kalinka, Kalinka" dudelte jetzt deutschsprachiges Liedgut aus den Boxen - und Frenzel konnte sich zu den "Prinzen" oder zu Rainhard Fendrichs "Es lebe der Sport" feiern lassen.
Seinen speziellen Sport, den Mix aus Springen und Laufen, hatte Frenzel in dieser Saison derart dominiert, dass er mit der Last des Top-Favoriten nach Sotschi gereist war. Oben auf den Kaukasusgipfeln kroch ihm mit den Triumphen von Skispringerin Carina Vogt, Skirennfahrerin Maria Höfl-Riesch sowie der Rodler Felix Loch und Natalie Geisenberger von Tag zu Tag deshalb ein Gedanke tiefer in den Kopf. "Der Druck bei Olympia ist mit nichts zu vergleichen. Wenn du dann zudem weißt, dass alle Favoriten ihr Gold schon geholt haben, aber du deinen Wettkampf noch vor dir hast - das ist schon ein mulmiges Gefühl", sagte der 25-Jährige.
Kribbelig wurde er offenbar am Vorabend seines ersten Auftritts. "Er war ein bisschen aufgeregt", bestätigte Teamkollege Fabian Rießle, der als drittbester Deutscher hinter Johannes Rydzek (6.) und vor Tino Edelmann (9.) Achter wurde. Beruhigen mussten sie ihren Teamkollegen aber nicht.


Olympische Winterspiele: Alle deutschen Medaillengewinner in Sotschi
Das bekommt Frenzel in diesem Winter schon selbst hin. Mit der beeindruckenden Referenz von sieben Weltcupsiegen war der 25-Jährige nach Russland gereist, und bei der Wettkampfvariante von der Normalschanze bekam er zudem tatkräftige Unterstützung aus Japan. Mit einem minimalen Vorsprung von sechs Sekunden auf Akito Watabe ging Frenzel als Führender nach dem Springen in die Spur, das übrige Feld lag bei Halbzeit bereits 27 Sekunden und mehr hinter dem deutsch-japanischen Duo zurück.
"Wir haben vorher besprochen, dass wir uns die anderen vom Leib halten wollen", verriet Watabe später. Den Plan setzten sie konsequent in die Tat um, näher als 13 Sekunden ließen sie den Verfolgerpulk nicht an sich herankommen - und auf dem letzten Anstieg unternahm der Asiate dann seinerseits den Versuch, Frenzel zu enteilen. Das wagemutige Unternehmen schlug fehl: "Er war einfach zu stark", stellte Watabe fest, freute sich aber trotzdem: "Das war ein gutes Rennen."
Im Anschluss an dieses schöne Erlebnis durfte der Sieger dann noch einen medialen Steilpass aufnehmen. Ob er sich als Olympiasieger in seiner anspruchsvollen Doppeldisziplin nun als König der Wintersportler fühle, wurde der zweimalige Weltmeister gefragt. Eric Frenzel nahm das Zuspiel dankend auf und erwähnte, wie er in der amerikanischen Tageszeitung "USA Today" in der vergangenen Woche ein Ranking der härtesten Wintersportarten entdeckt habe. "Die Nordische Kombination war da die Nummer eins", sagte er. Und ja: "Wir machen einen wirklich harten Job. Deshalb sind die Kombinierer die Könige der nordischen Sportarten."
"Eric ist in den letzten Jahren zu einem Leader gereift"
Nach diesem ersten Coup hat "King Nordic" nun erst einmal Pause. Die nächsten Medaillen werden am kommenden Dienstag im Einzel von der Großschanze vergeben (13 Uhr), zwei Tage später steht dann zum Abschluss der Teamwettbewerb auf der Agenda (9 Uhr, beides im Liveticker bei SPIEGEL ONLINE). "Der große Druck ist weg, für uns können das jetzt richtig gute Spiele werden", freute sich Bundestrainer Hermann Weinbuch angesichts der guten Teamleistung am Mittwoch, ehe er sich dem Kopf der Mannschaft zuwandte.
"Eric ist in den letzten Jahren zu einem Leader gereift. Er macht das auf eine sehr freundliche Art, sehr aufgeschlossen, mit einer unglaublichen Ruhe", sagte der 53-jährige Weinbuch, als Kombinierer früher selbst dreimaliger Weltmeister. Und fügte dann noch hinzu: "Das ist so eine coole Sau, der ist so bei sich. Wie er es am Ende hinbekommen hat, den Druck wegzunehmen - also ich hätte das nicht geschafft."