Höchste Ehrung US-Forscher Warshel, Karplus und Levitt erhalten Chemie-Nobelpreis 2013

Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an die Forscher Martin Karplus, Michael Levitt und Arieh Warshel aus den USA. Sie wurden für Computermodelle ausgezeichnet, die chemische Reaktionen simulieren.


Stockholm/Hamburg - Der Nobelpreis für Chemie 2013 geht in die USA: Die Wissenschaftler Martin Karplus von der Harvard University, Michael Levitt von der Stanford University und Arieh Warshel von der University of Southern California aus den USA erhalten die Auszeichnung für "die Entwicklung von mehrskaligen Modellen für komplexe chemische Systeme". Das gab die Königlich-Schwedische Akademie in Stockholm bekannt.

"Dieser Preis handelt davon, das Chemieexperiment in den Cyberspace zu bringen", sagte Staffan Normark, Ständiger Sekretär der Akademie. Karplus, Levitt und Warshel hätten die Grundlage für die Computerprogramme gelegt, mit denen chemische Prozesse verstanden und vorhergesagt werden, begründete die Akademie ihre Entscheidung. "Computermodelle, die das reale Leben widerspiegeln, sind entscheidend für die meisten Fortschritte, die heute in der Chemie gemacht werden."

Die Preisträger 2013 hätten es ermöglicht, die mysteriösen Wege der Chemie mit Computermodellen zu kartieren. Das auf diese Weise gewonnene Verständnis erlaube es, beispielsweise Medikamente oder Solarzellen zu verbessern. "Chemische Reaktionen passieren in Lichtgeschwindigkeit, Elektronen springen im Bruchteil einer Millisekunde von einem Atom zum anderen, versteckt vor den Augen der Wissenschaftler", erläutert die Akademie den Wert der Computermodelle.

Doppelte Staatsbürgerschaft: Österreich, Israel, Großbritannien

Die Arbeit von Karplus, Levitt and Warshel sei grundlegend, weil ihre Modelle es ermöglichen würden, die Gesetze der klassischen Physik mit jenen der fundamental anderen Gesetze der Quantenphysik zu vereinigen. Zuvor hätten sich Chemiker bei ihren Modellierungen zwischen beiden Kategorien entscheiden müssen.

Der 1930 in Wien geborene Karplus hat sowohl die Staatsbürgerschaft der USA als auch die von Österreich. Levitt wurde 1947 im südafrikanischen Pretoria geboren und hat die amerikanische und britische Staatsbürgerschaft. Warshel, Amerikaner und Israeli, wurde 1940 im Kibbuz Sde-Nahum im heutigen Israel geboren. Vergangenes Jahr war der Chemie-Nobelpreis an die US-Wissenschaftler Robert Lefkowitz und Brian Kobilka gegangen.

Warshel wurde an der US-Westküste um drei Uhr morgens durch den Anruf der Nobel-Akademie in Stockholm aus dem Schlaf gerissen. Er sagte, trotz der frühen Stunde fühle er sich "ganz ausgezeichnet". Seine Arbeit ließe sich in einem Satz so zusammenfassen: "Wir haben einen Weg gefunden, mit dem Computer die Struktur eines Proteins anzuschauen und dadurch zu verstehen, warum genau es tut, was es tut."

"Drei super Typen"

Der Nobelpreis für die drei Forscher hat auch in Deutschland Lob ausgelöst. "Sie haben das absolut verdient", sagt Helmut Grubmüller, Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen. "Sie sind begeistert von der Wissenschaft, leben für die Wissenschaft. Es sind drei super Typen."

Grubmüller meint, dass die von den dreien entwickelte Methode vor allem für die Entwicklung von Medikamenten in Zukunft noch wichtiger werde. "Es gibt einige wenige neuere Medikamente, die tatsächlich mit Hilfe dieser Technik auch mitentwickelt wurden. Das hat zum Beispiel mitgeholfen, einen Mix an Medikamenten für Aids-Patienten zu entwickeln", sagte Grubmüller.

Der Nobelpreis ist die höchste Auszeichnung für Naturwissenschaftler. Wer ihn erhält, gilt als einer der herausragenden Persönlichkeiten seines Fachs, sein Wort hat in der Wissenschaftsgemeinde Gewicht. Die Gewinner können sich zudem über eine stattliche Prämie freuen: Der Nobelpreis ist mit umgerechnet 920.000 Euro (acht Millionen Schwedischen Kronen) dotiert.

Am Dienstag war der Physik-Nobelpreis Peter Higgs und François Englert zuerkannt worden, deren theoretische Überlegungen zur Entdeckung des Higgs-Teilchens geführt hatten. Ein Akademie-Mitglied hat die Entscheidung mittlerweile kritisiert. Einen Tag zuvor war der Medizin-Nobelpreis dem gebürtigen Deutschen Thomas Südhof und den beiden US-Forschern James Rothman und Randy Schekman zugesprochen worden. Sie hatten wesentliche Transportmechanismen in Zellen entdeckt.

Die feierliche Überreichung der Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

boj/AFP/Reuters/dpa

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insgesamt 47 Beiträge
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MartinDominik 09.10.2013
1. optional
Ein Österreicher, ein Brite, und ein Israeli.
Herakleios 09.10.2013
2. Arieh Warshel ist Israeli
Er wurde in Israel geboren und hat als Offizier der IDF gegen die Araber gekämpft. Also kein weltfremder Forscher im Elfenbeinturm, sondern ein Mann mit Verstand und Mut. Herzlichen Glückwunsch!
MADhase 09.10.2013
3. Amerikaner
im herkömmlichen Sinne gibt's ja kaum. Alle sind sie in Amerika eingewandert.
brainyboy 09.10.2013
4. seitdem
Obama den Friedensnobelpreis erhalten hat.. ist alles nur ein Witz.. die Noblen unter uns können den Preis für sich behalten.. ein nichtssagender Titel den man jemanden anhängt mit Namen damit sich derjenige sich damit brüsken kann und unter die Leute hervortritt mit einem Merkmal das man aus der Ferne sieht.. wer weiss wie viele Forscher Anerkennung verdient haben es aber nicht bekommen.. weil andere an deren Stelle hervortreten und hochgejubelt werden.. aber nichts gegen die Wissenschaftler die hier etwas entdeckt haben mein ärger bezihet sich auf die Institution selbst..
Kimoya 09.10.2013
5. Gratulation!
Respect is the message! Hut ab vor diesen großartigen Wissenschaftlern, deren überragende Leistung von einem großartigen Preis honoriert wurde.
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