Aus Abu Dhabi berichtet Sven Böll
Wolfgang Schäuble weiß, dass die Ruhe der vergangenen Wochen trügerisch ist. Schon bald könnte die Euro-Krise wieder mit aller Wucht ausbrechen, fürchtet der Bundesfinanzminister. Schließlich zweifeln die Märkte noch immer, ob Griechenland dauerhaft in der Währungsunion bleibt. Tritt eine Kettenreaktion ein, könnte am Ende das Scheitern des gesamten Projekts stehen. Zumal die Bereitschaft vieler Staaten, die Konstruktionsfehler der Geldgemeinschaft zu beheben, zusehends schwindet.
Klamme Griechen, ermattete Europäer - Deutschland ist entschlossen, beide Probleme nun dauerhaft zu lösen. Das hat Schäuble klargemacht, wenn auch fernab der Heimat. Griechenland werde schon nicht pleitegehen, versicherte er am Sonntag in der Finanzmetropole Singapur. Dort sprach der 70-Jährige den wunderbaren Satz: "There will be no Staatsbankrott in Greece."
Auch der Reformeifer beim Umbau der Euro-Zone soll neu entfacht werden. "Wir müssen jetzt einen großen Schritt in Richtung Fiskalunion gehen, der über die bisherigen Vorschläge hinausgeht", forderte Schäuble in der vergangenen Nacht auf dem Rückflug nach Berlin, mitten über dem Indischen Ozean.
Der leidenschaftliche Europäer Schäuble will sich auf wenige Reformen konzentrieren, die es allerdings in sich haben:
Im Grundsatz sind diese Ideen nicht neu. Neu ist allerdings, dass einer der einflussreichsten Politiker Europas aus einem unübersichtlichen Reformangebot für die Währungsunion einige konkrete Maßnahmen herauspickt, sie zu einem Paket zusammenschnürt und es sich zu eigen macht.
Die Chancen des Masterplans sind auch aus einem anderen Grund nicht schlecht. Der Finanzminister geht damit erst an die Öffentlichkeit, nachdem er ihn den anderen Mitgliedern der Euro-Zone vorgestellt hat. Auch die vier Präsidenten von EU-Kommission, Rat, Euro-Gruppe und Europäischer Zentralbank, die derzeit an einer Reform der Währungsunion arbeiten, sind im Bilde.
Bereits beim EU-Gipfel in dieser Woche dürften die Reformvorschläge Schäubles eine Rolle spielen. Um sie umzusetzen, müssen die EU-Verträge geändert werden. Den Prozess will der Deutsche rasch starten. Bereits Ende des Jahres könnte ein Konvent einberufen werden, in dem Abgeordnete des EU-Parlaments und der nationalen Volksvertretungen einen Vertragsentwurf erarbeiten, der anschließend von allen 27 Mitgliedstaaten ratifiziert werden müsste. Selbst wenn das Verfahren optimal liefe, würde es wohl anderthalb Jahre dauern. Realistischer ist, dass die Änderungen frühestens Anfang 2015 in Kraft treten.
Wenn, ja wenn, das störrische Großbritannien mitspielt. Falls nicht, können die EU-Verträge nicht geändert werden. Dann müssten die Regierungen der Euro-Zone ein separates Abkommen schließen - so wie beim Fiskalvertrag. Optimal wäre das nicht, aber auch kein Drama.
An der Entschlossenheit von Schäuble, die Probleme der Euro-Zone zu lösen, sollten die Briten wohl nicht zweifeln. Auch nicht am Willen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit der er seine Vorschläge abgestimmt hat. Selbst wenn Schäuble sagt: "Die Kanzlerin ist noch ein bisschen vorsichtiger als ich." Um mit süffisantem Unterton hinzuzufügen: "Deswegen ist sie auch ein bisschen erfolgreicher als ich."
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