Archäologie Ältester Nachweis für Gemüseküche gefunden

Felszeichnung mit Person, die Pflanzen sammelt
Foto: HO/ AFPFür viele ist Kochen eine lästige, tägliche Pflicht. Doch für unsere Vorfahren war es ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der Menschheit. Denn Kochen in Gefäßen hat es möglich gemacht, plötzlich auch viele schwer verdauliche Pflanzen zu essen. Und das hat den Speiseplan deutlich erweitert.
Doch überraschend existieren bisher wenige direkte Belege für das Kochen von Pflanzen - archäologischen Fund von Pflanzenresten an Keramikfragmenten sind selten. Doch nun hat in der Sahara ein internationales Forscherteam den bislang ältesten direkten Nachweis für das Kochen von Pflanzen gefunden. Die Rückstände aus Keramikgefäßen belegen, dass pflanzliche Nährstoffe, darunter sogar von Wasserpflanzen, für die Bewohner der damals noch grünen Region eine überraschend wichtige Rolle spielen.
Das Team um Richard Evershed von der englischen University of Bristol untersuchte 110 Keramikscherben, die von zwei Grabungsstätten in der Sahara im Südwesten von Libyen stammten. Der Felsüberhang Takarkori und die Höhle Uan Afuda waren ab 8200 vor Christus - also vor mehr als 10.000 Jahren - über Tausende Jahre bewohnt. Im späteren trockenen Klima blieben die Rückstände an den Scherben gut erhalten.


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Von den 81 Objekten aus Takarkori enthielten 38 Rückstände, die für Pflanzen typisch sind. Die Zahl der Gefäße, die Relikte tierischer Fette enthielten, war mit 29 deutlich niedriger. Von 22 Scherben aus der Höhle Uan Afuda fanden die Forscher an 18 Objekten Stoffe pflanzlichen Ursprungs.
An beiden Fundorten enthielten 54 Prozent der Fundstücke Rückstände von Wildpflanzen. Überraschenderweise fanden die Forscher neben Pflanzen wie etwa Rohrkolben (Typha), von denen diverse Teile gegessen wurden, auch Reste, die auf Wasserpflanzen der Gattung Laichkräuter (Potamogeton) hindeuten. Die damalige Nutzung solcher Pflanzen war bislang nicht bekannt. "Die Ausbeutung einer solchen Vielfalt von Pflanzen unterstreicht die Raffinesse dieser frühen Wildbeuter-Gruppen", betont das Team im Fachblatt "Nature Plants".

Archäobotanische Funde aus der Sahara
Foto: HO/ AFP"Bislang wurde die Bedeutung von Pflanzen für die prähistorische Ernährung unterschätzt", betont Erstautorin Julie Dunn in einer Mitteilung der Universität Bristol. "Diese Studie zeigt eindeutig, wie wichtig Pflanzen als zuverlässige Nahrungsquelle waren. Die Fähigkeit, sie über längere Zeit in neu erfundenen Keramikgefäßen zu kochen, hat das Spektrum der Pflanzen, die die Menschen damals essen konnten, deutlich erhöht."
Die Tongefäße seien vermutlich eigens zur Verarbeitung der Wildpflanzen vor Ort erfunden worden, schreibt das Team. Pflanzen seien in der Region erst um 2500 vor Christus domestiziert worden, so die Forscher - also deutlich später als etwa im Nahen Osten oder in Europa.
Dabei hätten unsere Vorfahren schon früher Pflanzen im Topf garen können: Die frühesten Keramikgefäße, die prinzipiell zum Erhitzen geeignet waren, entstanden laut den Forschern bereits vor etwa 15.000 Jahren in Ostasien, in Nordafrika allerdings wohl erst deutlich später.
Die Studie sei sehr spannend, sagt Mona Schreiber vom Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung, die nicht an der Arbeit beteiligt war. "Es ist erstaunlich, dass die Forscher mehr Rückstände von Pflanzen fanden als von Tieren." Für Jessica Hendy vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena zeigt die Studie das Potenzial heutiger Analyseverfahren, um frühere Ernährungsgewohnheiten zu klären.