Kurden und Islamisten BKA befürchtet noch mehr Krawalle in Deutschland

Sollte die syrische Stadt Kobane fallen, stehen Deutschland womöglich heftige Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Islamisten bevor. Zu diesem Ergebnis kommt das BKA in einer vertraulichen Lageeinschätzung.

Von , Düsseldorf

Maskierte vor der al-Nur-Moschee in Hamburg: "Angespanntes Verhältnis" zwischen den Parteien
DPA

Maskierte vor der al-Nur-Moschee in Hamburg: "Angespanntes Verhältnis" zwischen den Parteien


Der Kampf um die syrische Grenzstadt Kobane hat möglicherweise direkte Auswirkungen auf die Sicherheitslage in Deutschland. Wie aus einer vertraulichen Lageeinschätzung des Bundeskriminalamts (BKA) hervorgeht, fürchten die Behörden eine Eskalation der angespannten Situation zwischen Kurden und Islamisten in der Bundesrepublik.

Die Einnahme Kobanes "mit denkbaren Massakern an der Bevölkerung" stellten "unter Gefährdungsgesichtspunkten betrachtet" für Deutschland die nächste Eskalationsstufe dar. Das ist die Einschätzung der BKA-Staatsschützer in einem Papier, das SPIEGEL ONLINE vorliegt. Bilder und Berichte von Gräueltaten könnten massive Reaktionen in der kurdischen Szene in Deutschland auslösen. Gerade in Kreisen junger PKK-Anhänger sei bereits jetzt eine "starke Emotionalisierung" festzustellen, die eine ohnehin bestehende Gewaltbereitschaft weiterhin erhöht haben dürfte.

Es sei zudem zu befürchten, dass die Kurden für einen Fall Kobanes die aus ihrer Sicht zu zurückhaltend agierende Regierung in Ankara und die internationale Staatengemeinschaft verantwortlich machen könnten. Zu Zielen auch militanter Aktionen drohten daher türkische Einrichtungen, aber auch Banken, Fluglinien und Geschäfte in Deutschland zu werden. Womöglich rückten auch amerikanische Objekte in den Fokus fanatischer Kurden, warnt das BKA in dem mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) abgestimmten Dokument.

Außerdem sei damit zu rechnen, dass sich gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Salafisten wiederholten. In Hamburg war es am Dienstagabend zu Gewaltexzessen gekommen. Auch im niedersächsischen Celle gingen Jesiden und tschetschenische Muslime aufeinander los. Mindestens 23 Menschen wurden dabei verletzt, zum Teil schwer. Diese Krawalle verdeutlichten die "hohe Emotionalisierung" und das "angespannte Verhältnis" zwischen den Parteien, schreibt das BKA.

Fotostrecke

7  Bilder
Kurden gegen Salafisten: Straßenschlacht vor der al-Nur-Moschee
Der Analyse zufolge hatten kurdische Organisationen in den vergangenen Tagen in ganz Europa zu Kundgebungen aufgerufen. So besetzten Aktivisten etwa zeitweise das Parlament im niederländischen Den Haag und drangen in Brüssel in das Gebäude des Europaparlamentes ein. Auch in Paris, Oslo und Wien kam es vor den Abgeordnetenhäusern zu Protestaktionen. In Deutschland wiederum demonstrierten Kurden "vor und in Rundfunkanstalten", so das BKA, etwa in Köln, Düsseldorf, Bonn, Hannover und Kiel.

Wie aus Sicherheitskreisen verlautet, sind auch bereits kurdische Aktivisten aus Deutschland ausgereist, um gegen den "Islamischen Staat" zu kämpfen. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen veröffentlichte ein kurdischer Motorradclub aus Nordrhein-Westfalen inzwischen Fotos und Videos, auf denen Rocker angeblich bei militärischen Einsätzen rund um Kobane zu sehen sind. Die Männer tragen Kutten und Kalaschnikows. Im Internet postet ihr Anführer dazu: "Unsere Jungs haben mir berichtet, dass sie beschossen wurden. Ihnen ist nichts passiert, sie sind gesund."

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 161 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
thunderstorm305 08.10.2014
1. Alle sollten Ruhe bewahren.
Die Türkei spielt hier zweifellos ihr eigene Musik und unterstützt die Kurden nicht. Das müssen nun vor allem die USA übernehmen. Aber trotz dem verständlichen Ärger sollte alle daran erinnert werden, dass sie hier bei uns entweder zu Gast sind oder Teil Deutschlands sind und sich dementsprechend zu verhalten haben. Krawalle stellen eine Verletzung gegenüber diesem Gastrecht dar und fördern bestimmt nicht das Verständnis für die Sorgen der Kurden. Und gegenüber den Salafisten muss mit harter Hand reagiert werden. Wer möchte der kann ruhig nach Syrien oder in den Irak, um für seine wirre Gesinnung zu kämpfen. Das kann aber dann nur ein Einwegticket sein.
Kreutzer007 08.10.2014
2. War zu erwarten
Jahrelang wurde in den Kommentarspalten der bekannten Online-Zeitungen davor gewarnt. Aber die Personen hat man lieber als Nazis dargestellt. Jetzt hat man die ersten Anzeichen eines möglichen Bürgerkrieges und man hört plötzlich nicht ein Wort von den Verursachern (Links-Grüne Politik). Ich übernehme hiermit aber deren Part und muss eingestehen, dass Multi-Kulti gescheitert ist. Das Massenweise importieren von Menschen aus nicht kompatiblen Kulturkreisen, hat nicht zu blühenden Landschaften geführt, sondern zum Import derer Probleme und Konflikte. Da wir nun ein buntes Potpourri an Menschen jeglicher Nationen haben, wird auch jeder zukünftige Konflikt in unsere Städte projiziert. Es ist völlig irrelevant, dass die Mehrheiten dieser Personengruppen völlig friedlich sind, da Minderheiten ohne Probleme ein ganzes Volk terrorisieren können, wenn die Mehrheit sich nicht rechtzeitig dagegen wehrt. Am meisten tun mir nun die Polizisten Leid, die jetzt für wenig Kohle ihren Hintern herhalten sollen. Lieber sollte man die Politiker zwischen die von ihnen erstellten Fronten stecken.
Zereus 08.10.2014
3.
Tja, wer sich Millionen Anhänger dieser Problemreligion ins Land holt und sich darüber freut, dass unsere Gesellschaft dadurch immer "bunter" wird, der holt sich eben auch die Konflikte und Krisen aus der entsprechenden Region ins Land. Vor letzterem Punkt verschließen die werten Herrschaften Politiker natürlich gerne ihre Augen, in besseren Wohnlagen bekommt man davon schließlich auch nichts mit. Unsere politische Klasse hat hinsichtlich der Einwanderungspolitik komplett versagt.
horstu 08.10.2014
4. Konfliktbewusstsein
So schlimm die Gewalt ist, sie hat den Nutzen, dass die neuen Konfliktlinien bei uns unverblümt zutage treten. So wacht vielleicht der ein oder andere auf und begreift, wohin die Entwicklung des Projekts "Deutschland wird bunter" geht. Würde sich der Hass "nur" gegen Deutsche entladen, würden die üblichen Protagonisten sicher wieder beschwichtigende Erklärungen finden wie die angebliche Ausgrenzung und Demütigung unserer Zuwanderer durch die Mehrheitsgesellschaft. So aber sollte offensichtlich werden, dass es kulturell und ethnisch motivierte Konfliktherde in unserem Land (und in ganz Europa) gibt, mit denen das traditionelle Deutschland nichts zu tun hat.
BeBeEli 08.10.2014
5. Cleveres BKA
Um weitere Krawalle, um das Übergreifen des islamistischen Terrors auf Deutschland und Kämpfe zwischen hier ansässigen Minderheiten vorherzusagen, braucht es nicht den geballten Sachverstand des BKA. Das sagen ganz gewöhnliche unbekannte Bürger seit langem. Aber die Politkaste glaubte es nicht, weil es bequemer ist, nichts zu tun und sich zu wohl gesitteten Runden Tischen zusammenzusetzen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.