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Kurden und Islamisten BKA befürchtet noch mehr Krawalle in Deutschland

Sollte die syrische Stadt Kobane fallen, stehen Deutschland womöglich heftige Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Islamisten bevor. Zu diesem Ergebnis kommt das BKA in einer vertraulichen Lageeinschätzung.
Maskierte vor der al-Nur-Moschee in Hamburg: "Angespanntes Verhältnis" zwischen den Parteien

Maskierte vor der al-Nur-Moschee in Hamburg: "Angespanntes Verhältnis" zwischen den Parteien

Foto: Markus Scholz/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Kampf um die syrische Grenzstadt Kobane hat möglicherweise direkte Auswirkungen auf die Sicherheitslage in Deutschland. Wie aus einer vertraulichen Lageeinschätzung des Bundeskriminalamts (BKA) hervorgeht, fürchten die Behörden eine Eskalation der angespannten Situation zwischen Kurden und Islamisten in der Bundesrepublik.

Die Einnahme Kobanes "mit denkbaren Massakern an der Bevölkerung" stellten "unter Gefährdungsgesichtspunkten betrachtet" für Deutschland die nächste Eskalationsstufe dar. Das ist die Einschätzung der BKA-Staatsschützer in einem Papier, das SPIEGEL ONLINE vorliegt. Bilder und Berichte von Gräueltaten könnten massive Reaktionen in der kurdischen Szene in Deutschland auslösen. Gerade in Kreisen junger PKK-Anhänger sei bereits jetzt eine "starke Emotionalisierung" festzustellen, die eine ohnehin bestehende Gewaltbereitschaft weiterhin erhöht haben dürfte.

Es sei zudem zu befürchten, dass die Kurden für einen Fall Kobanes die aus ihrer Sicht zu zurückhaltend agierende Regierung in Ankara und die internationale Staatengemeinschaft verantwortlich machen könnten. Zu Zielen auch militanter Aktionen drohten daher türkische Einrichtungen, aber auch Banken, Fluglinien und Geschäfte in Deutschland zu werden. Womöglich rückten auch amerikanische Objekte in den Fokus fanatischer Kurden, warnt das BKA in dem mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) abgestimmten Dokument.

Außerdem sei damit zu rechnen, dass sich gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Salafisten wiederholten. In Hamburg war es am Dienstagabend zu Gewaltexzessen gekommen. Auch im niedersächsischen Celle gingen Jesiden und tschetschenische Muslime aufeinander los. Mindestens 23 Menschen wurden dabei verletzt, zum Teil schwer. Diese Krawalle verdeutlichten die "hohe Emotionalisierung" und das "angespannte Verhältnis" zwischen den Parteien, schreibt das BKA.

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Kurden gegen Salafisten: Straßenschlacht vor der al-Nur-Moschee

Foto: Markus Scholz/ dpa

Der Analyse zufolge hatten kurdische Organisationen in den vergangenen Tagen in ganz Europa zu Kundgebungen aufgerufen. So besetzten Aktivisten etwa zeitweise das Parlament im niederländischen Den Haag und drangen in Brüssel in das Gebäude des Europaparlamentes ein. Auch in Paris, Oslo und Wien kam es vor den Abgeordnetenhäusern zu Protestaktionen. In Deutschland wiederum demonstrierten Kurden "vor und in Rundfunkanstalten", so das BKA, etwa in Köln, Düsseldorf, Bonn, Hannover und Kiel.

Wie aus Sicherheitskreisen verlautet, sind auch bereits kurdische Aktivisten aus Deutschland ausgereist, um gegen den "Islamischen Staat" zu kämpfen. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen veröffentlichte ein kurdischer Motorradclub aus Nordrhein-Westfalen inzwischen Fotos und Videos, auf denen Rocker angeblich bei militärischen Einsätzen rund um Kobane zu sehen sind. Die Männer tragen Kutten und Kalaschnikows. Im Internet postet ihr Anführer dazu: "Unsere Jungs haben mir berichtet, dass sie beschossen wurden. Ihnen ist nichts passiert, sie sind gesund."